Fliegen am Zlatnik

15. März 2025 Flachland

Nachdem ich das letzte Jahr fliegend in Laucha habe ausklingen lassen, hatte ich bereits auf der Heimfahrt einen jener An-die-Stirn-Klatsch-Momente, die durchaus geeignet sind, ein Leben in neue Bahnen zu lenken… Zu groß formuliert? Mhm, schauen wir mal, aber ich denke nicht. 😉 Bislang habe ich die Winter nämlich immer damit verbracht, mich zwar theoretisch mit Gleitschirmthemen zu beschäftigen, die Ausrüstung zu optimieren, mich in schöne Fluggebiete zu träumen, letztlich aber völlig unterflogen und damit frustriert zu Hause zu sitzen und hibbelig der Saisoneröffnung im Frühjahr entgegen zu fiebern.

Das wollte ich in diesem Jahr ganz anders angehen. In erträglicher Reichweite – Das ist übrigens eine Metrik, die je nach Wetterlage und wie lange der letzte Flug bereits zurückliegt verschieden interpretiert werden kann und wird… 🙂 – findet sich eine Vielzahl von interessanten Fluggebieten, die ich alle noch nicht kannte und nach und nach abklappern wollte.

Den Anfang hat in diesem Jahr der Zlatnik in Tschechien gemacht, der in nur rund einer Stunde Entfernung ja fast schon als lokales Fluggebiet anzusehen ist. Und so begab es sich, dass ich Ende Januar mein Gleitschirmzeug und die ganz dicken Handschuhe eingepackt habe und – schwupps – am Fuße des kleinen Bergs stand. Man parkt quasi direkt neben der Schnellstraße am Friedhof und hat dann nur noch eine kurze Wanderung zum Startplatz vor sich, der nach Süden/Südwesten ausgerichtet ist. Vor dem Start muss man sich telefonisch am Flugplatz Most melden – ab und an werden direkt über dem Zlatnik Fallschirmspringer herausgelassen, was für beide Seite … öhm … zumindest suboptimal wäre. Der Anruf verhindert dann recht zuverlässig die Doppelbeanspruchung des Luftraumes. 😀 Die Telefonnummer des Flugplatzes aber auch eines sehr netten und hilfsbereiten dt.-sprachigen Ansprechpartners und etliche andere Hinweise, z.B. über Vogelschutzzeiten usw., sind an der Infotafel direkt am Startplatz beschrieben.

Und so stand ich dann also kurz nach 12 Uhr alleine am Startplatz. Der Wind passte perfekt, sodass ich mich recht zügig fertig gemacht habe und alsbald in der Luft war. Was für ein tolles Gefühl… mitten im Winter zu fliegen und den ganzen Berg für mich alleine zu haben!! Fliegen! Im Januar! 🙂 Ich habe das Soaring im Hangaufwind wirklich genossen, habe in der Luft rumgespielt, verschiedene Flugtechniken ausprobiert und hatte die ganze Zeit ein breites Grinsen auf dem Gesicht, was sich da auch noch einige Stunden recht hartnäckig hielt… 😉 Nach 50 Minuten ließ der Wind dann plötzlich nach, und ich bin kurz darauf auf der leicht abschüssigen Wiese direkt neben dem Friedhof gelandet.

Was für ein toller Einstieg in die 2025er Saison! Nicht nur, weil ich tatsächlich die beste Zeit des Tages erwischt hatte, sondern weil ich bereits Pläne im Kopf hatte, mir all die Gebiete in der Umgebung zu erschließen. Dieses Gefühl der Vorfreude auf neue Gegenden, auf spannende Begegnungen und natürlich vor allem auf tolle Flüge war und ist einfach unbeschreiblich! 🙂

Typisches „Wimmelbild“ eines Soaring-Tages, an dem man nur im dynamischen Hangaufwind spielt.

Flug-Infos auf DHV-XC.

Winterpause?

12. März 2025 Flachland

Kennst Du das auch? Du hast Dich über die Jahre in irgendeiner Nische Deines Lebens mit einem Zustand arrangiert, den Du selbst zwar irgendwie als unerfreulich oder zumindest als suboptimal empfindest, stellst den Status Quo aber schon lange nicht mehr in Frage… Naaaa? Erwischt? Oder doch nicht?

Naja, ich habe zu Beginn des Jahres bei mir jedenfalls so einen blinden Fleck entdeckt und kann mich im Nachhinein nur wundern, dass erst jetzt der Groschen gefallen ist! Wovon ich rede?

Von der Winterpause beim Gleitschirmfliegen… In den vergangenen Jahren habe ich mich im Winter zwar mit dem Fliegen beschäftigt: Ich habe Videos geschaut, Bücher gelesen, Artikel studiert, Ausrüstung optimiert und Pläne für den weiteren Jahresverlauf geschmiedet. Nur eines habe ich nicht gemacht: Fliegen!

Was mir die letzten Jahre entgangen ist, zeigen die ersten beiden Monate in diesem Jahr:

In diesem Jahr habe ich bislang fast jede Gelegenheit genutzt, um in die Luft zu kommen. Dabei habe ich alleine im Januar und Februar fünf für mich neue, bequem erreichbare Fluggebiete entdeckt, war bereits 30 Stunden in der Luft, habe viele wirklich nette Menschen kennen gelernt und einfach eine tolle Zeit gehabt! 🙂

Ich habe in der Zeit enorm viel gelernt:
Beim Starten bei stärkerem Wind, beim Toplanden, beim Reparieren der Ausrüstung und natürlich beim eigentlichen Fliegen. 🙂 Mir ist aber auch auf einer anderen Ebene wieder einmal klar geworden, dass es sich wirklich lohnt, ausgetretene Pfade zu verlassen, neugierig zu bleiben und sich auf Neues einzulassen…

Und so gibt es viel zu berichten: Über unzählige wundervolle Momente beim Fliegen am Frauenberg, in Laucha, in Knobelsdorf, am Rana und am Krupka…

Stay tuned und miste vielleicht auch bei Dir mal aus! 😉

Wie es manchmal so geht…. Am letzten Tag des Jahres scrolle ich früh durch Instagram & Co., freue mich für alle, die im Winter Wonderland der Alpen Ski-Touren unternehmen können oder sogar ein paar Stunden in der Luft verbringen und merke aber auch, wie dabei gleichzeitig bei mir ein bisschen Wehmut einsickert.
Doch dann stolpere ich über Julias Posting auf Instagram (danke, danke, danke dafür 🙂 ), in dem sie über einen genialen Flugtag im Fluggebiet Laucha nordwestlich von Leipzig schreibt… „Stimmt ja, Laucha!!! Moment mal, das war ja erst vorgestern! Geht da heute vielleicht was?“ geht es mir durch den Kopf! Das Gebiet hatte ich bis dato beim tgl. Wetter- und Platzcheck nicht auf dem Schirm, weil es doch ein Stückchen entfernt ist.

Aber das wäre doch DIE Gelegenheit, noch am letzten Tag des Jahres ein für mich neues Fluggebiet entdecken zu können! Und meiner neuen Liebe, meinem Iota DLS, würde die Luftveränderung sicherlich auch gefallen. Und mir würde es garantiert auch gut tun. Macht es ja immer, wenn es in die Luft geht. 🙂 Also schnell in Windy & Co. die Bedingungen kontrolliert: Check – viel versprechend, eigentlich sogar ideal! 🙂

Keine drei Stunden später stehe ich an der Geländekante von Laucha, lasse mich vom lokalen Piloten Matthias in die Geländebesonderheiten einweisen und stehe schon bald mit meinem Schirm in guter Gesellschaft einiger bekannter Paradopia-Gesichter ein Stück hinter der Kante und versuche, mit dem sehr starken Wind zu spielen. In der ersten halben Stunde ist ein ein sehr einseitiges Vergnügen… 😀 Der Wind ist einfach zu stark und zu turbulent, zumindest am Boden. Ich lasse mich kräftig durch- aber nicht abschütteln und werde belohnt! 🙂 Für einige Momente lässt der Wind ein bisschen nach, sodass ich mit dem Schirm vor zur Kante handeln kann. Und schwups bin ich in der Luft! 🙂

In der Luft sind ideale Bedingungen! Ich gleite an der Kante entlang, beobachte Greifvögel, die ebenfalls im dynamischen Hangaufwind zu spielen scheinen. Nach und nach füllt sich die wenige Hundert Meter lange Hangkante mit vielen Schirmen. Alle haben sie ihren Spaß!

Was für ein Glück, das Jahr so beschließen zu können! 🙂 Der ganze Stress der letzten Wochen, all der Kram, der sich im letzten Quartal aufgetürmt hat, fällt von mir ab! In diesem Moment spüre ich nur noch mich, die Freiheit, den Wind, die Sonne, die anderen Piloten und bin überglücklich! 🙂

Auf, dass uns allen das kommende Jahr viele solcher magischer Momente bescheren möge!

Happy New Year, happy landings! 🙂

Ende des Jahres lasse ich die Saison Revue passieren. Dabei kommen mir einige Flüge und Erlebnisse in den Sinn, die ich wohl nie vergessen werde. Eines meiner absoluten Highlights war zweifellos meine „kleine Gletscherrunde“ im Stubaital – aus verschiedenen Gründen, aber der Reihe nach…

Die Gletscherrunde im Stubai beschreibt einen Gleitschirmflug, der am Kreuzjoch, also relativ weit vorne im Stubaital, beginnt, über die beiden Burgställe führt, das Oberbergtal hinauf in Richtung der Dreitausender verläuft, dann einen mehr oder weniger großen Bogen über die Gletscher im hinteren Bereich des Stubais beschreibt, retour dem Stubaital folgt und schließlich in Neustift bzw. Fulpmes endet.

Für mich steht diese Gletscherrunde gefühlt schon ewig auf meiner persönlichen Das-muss-ich-unbedingt-mal-fliegen-Liste! Ich erinnere mich, wie ich als A-Schein-Schüler in den Unterrichtspausen vor dem Schaukasten der Flugschule stand, in dem u.a. diese Flugroute eingezeichnet war. Schon damals habe ich mir ausgemalt, wie schön es wohl wäre, in einem längeren Flug über all die vertrauten Gipfel, Berghütten und Gletscher des Stubais zu fliegen!

Aber irgendwie hatte es bislang nie geklappt. Meistens war das Wetter nicht entsprechend, aber letztlich war ich persönlich wohl auch noch nicht so weit. Am eigentlichen fliegerischen Können lag es dabei bestimmt nicht, Hemmungen und Selbstzweifel haben es aber einige Male verhindert, hinter der Rinnenspitze weiterzufliegen. Dank der fantastischen Fluglehrer Ferdi, Simon und den guten Freunden E. und U. taue ich in Sachen XC-Fliegerei aber zunehmend auf. Die Hemmungen sind im Wesentlichen der Neugier gewichen, an die Stelle der Selbstzweifel rücken erfreulicherweise langsam kühle Einschätzungen der aktuellen Lage.

Und so stand ich also Anfang August am Kreuzjoch mit einem High-B-Tester, den ich bislang nur bei einigen kurzen Abgleitern und in absolut ruhiger Thermik hatte ausprobieren können und wollte mal schauen, was der Tag so bringt. Der Startplatz war gut gefüllt. Die Vorhersagen waren fantastisch, hatten allerdings den kleinen Haken, dass der Tag recht spät anfangen und erst hintenraus besser werden sollte. Also Para-Waiting in brütender Hitze… Schluck… Auf gute Startbedingungen zu warten, ist für mich nach wie vor eine Herausforderung, auch wenn ich zunehmend geduldiger werde. Glücklicherweise ließen ein schattiges Plätzchen und ein interessantes Gespräch mit einem anderen Piloten die Wartezeit wie im Flug (haha 😉 ) vergehen.

Blick zur Rinnenspitze und Rinnensee (Oberbergtal).

Als dann endlich der erste und kurz darauf der zweite Pilot durch die Inversion durchkamen, machte auch ich mich zügig fertig. Der Start verlief problemlos, allerdings zog der Hausbart direkt rechts neben dem Startplatz noch nicht durch. Also Wechsel nach Norden an den Bart, der normalerweise der Bergbahn folgt. Hier ging es viel besser, sodass ich schon wenige Minuten später den Startplatz deutlich überhöht hatte und den Flug in Richtung der Burgställe beginnen konnte. Hier und da waren einzelne andere Piloten unterwegs, ich hatte aber keine direkten Vorflieger. Am Hohen Burgstall bog ich ins Oberbergtal ab und folgte der Ridge in Richtung Rinnenspitze. Dort müsste ich es dann schaffen, auf deutlich über 3000m aufzudrehen, um die Passage über die Gletscher beruhigt angehen zu können. Na mal schauen…

Bis jetzt klappte alles wie am Schnürchen. Die Thermiken standen genau da, wo ich es mir dachte, mein Iota DLS war deutlich gesprächiger als mein Epsilon 9, aber auf der angenehmen Seite, ohne mich zu überfordern. Also weiter! Über der Rinnenspitze konnte ich noch gut Höhe machen und dabei den wundervollen Blick auf den Lüsener Ferner, den Rinnensee und in Richtung der höheren 3000er des Stubais genießen. „Heute klappt’s!“ dachte ich mir und flog weiter. Von jetzt an war es Neuland für mich. Ich querte einen kleinen Gletscher, checkte beim Überflug einige Male, dass der Notausgang nach hinten noch offen ist und ich umkehren könnte, falls ich keine weiteren Thermiken finden würde. „Alles gut, weiter!“

Doch an diesem Tag schien tatsächlich alles zu klappen. Ich flog den nächsten Bart an und drehte ihn aus, dann noch einen und noch einen und hatte dann gleich die Dresdner Hütte in Sicht. 🙂

Vermutlich hätte ich es an diesem Tag auch schaffen können, den Flug in Richtung Sölden deutlich zu verlängern. Ich wollte aber nichts erzwingen und ließ es bei der kleinen Gletscherrunde bewenden. Bei der Querung des Stubaitals war dann endlich Zeit, etwas zu essen und zu trinken und dabei den wundervollen Ausblick zu genießen. Vor mir lag der tosende Grawa-Wasserfall, rechts davon die beiden Trögler und die Dresdner Hütte, dahinter Schaufelspitze & Co.! Wenn ich mit dem Schirm über diese wundervolle Landschaft fliegen kann, erfüllt mich jedesmal ein tiefes Glücksgefühl! Hach! Auf dem Weg zurück habe ich dann noch den Habicht, den Zwölfer und Elfer passiert und habe den Flug noch bis vor zur Serles und hinüber zum Startplatz verlängert, um dann letztlich überglücklich in Neustift zu landen.

Ich freue mich riesig, dass ich mir diesen lang gehegten Traum erfüllen konnte und dabei den größten Teil der Strecke alleine unterwegs war! Der Iota DLS hat sich bewährt, sodass ich meinen geliebten Epsilon 9 mittlerweile in gute Hände abgegeben habe und nun in der High-B-Klasse unterwegs bin. In der kommenden Flugsaison hoffe ich auf eine Fortsetzung dieses schönen Fluges – dann will ich die „große Gletscherrunde“ angehen, die im Süden und Osten noch deutlich länger ist, und rückzu noch dem Habicht von oben zuwinken! 🙂

Flug-Details auf DHV-XC.

2024 – Sicherheitskurse

29. Dezember 2024 Kurse

In der 23er Saison habe ich meine beiden Sikus (Sicherheitskurse) vor allem dazu genutzt, den Umgang mit meinem damaligen Liegegurtzeug-Kandidaten (und jetzigem Alltagsgurtzeug) zu üben, wenn sich der Schirm über mir knäult… 😉 In diesem Jahr ging es schon wieder um einen Ausrüstungswechsel, diesmal den Umstieg von meinem geliebten Epsilon 9 auf den Iota DLS, also den Wechsel in die High-B-Klasse. Diese Schirme reagieren bei Kappenstörungen (im beschleunigten Flug) deutlich zackiger, und ich wollte testen, ob ich damit klar kommen würde.

Erfreulicherweise war es mir auch in diesem Jahr gelungen, für beide von Simon Winkler bei der Flugschule Achensee geleiteten Sikus einen Platz zu ergattern! Simon ist für mich DER Fluglehrer in Sachen Sikus. In erster Linie ist er einfach mal ein mega-sympathischer Typ. Zudem sind seine nette und kompetente Art zu unterrichten, die ultra-präzisen Funkansagen in genau dem richtigen Ton und Umfang und die ausführlichen Analysen einfach ideal für mich, sodass die Vorfreude entsprechend groß war!

Im ersten Training habe ich zunächst das Standard-Klapperprogramm absolviert: Seitenklapper, Frontklapper, unbeschleunigt, halb und voll beschleunigt. Dabei hat sich erfreulicherweise sehr schnell herausgestellt, dass der Iota DLS bei beschleunigten Klappern zwar deutlich schneller als der Eps reagiert, das Ganze für mich aber gut zu handeln ist. Also habe ich den Rest des Sikus fürs Wingover-Training genutzt – was suuuuuper geklappt hat! 🙂

Wingover im Siku mit Simon Winkler und der Flugschule Achensee.

Im zweiten Siku habe ich mich dann im Wesentlichen auf Full Stalls konzentriert, die ich nach ein paar Versuchen einigermaßen hinbekommen habe. Den Iota musste ich bei der Ausleitung zwar manchmal ein bisschen überreden, seine Ohren wieder freizugeben, was insgesamt aber kein Problem dargestellt hat.

Full Stall mit schönem Rückwärtsflug, Siku 2024 mit Simon Winkler und der Flugschule Achensee.

Was bleibt?
Ich habe wieder zwei äußerst aufschlussreiche Sikus erleben dürfen, in denen ich sehr viel dazulernen konnte. Gute Wingover! WINGOVER! 🙂 🙂 Am Ende der beiden Sikus war ich mir dann ganz sicher, dass ich mit dem Iota DLS die richtige Wahl getroffen habe! Ich freue mich auf die kommenden Flüge mit meinem neuen Schaaaaaaatz… 🙂

Simon und die Crew der Flugschule Achensee haben beide Kurse wieder einmal zu wirklichen Highlights werden lassen – vielen Dank dafür, Ihr seid die Besten! 🙂

Iota DLS 27

5. Oktober 2024 Ausrüstung

Hochoffiziell sei hiermit verkündet, dass der Advance Iota DLS von nun ab und immerfort dem Ritter Veit als Fortbewegungsmittel in den Lüften dienen soll. Möge die Macht mit ihm sein. 😀

Ich habe den Iota DLS 27 sehr ausführlich ausprobiert – meiner Meinung nach ist er für mich der logische nächste Schritt in meiner fliegerischen Entwicklung. Der Schirm ist etwas agiler als mein geliebter Epsilon 9 und ist schneller im beschleunigten Flug gegen den Wind. Bei beschleunigten Klappern und ähnlichen Störungen reagiert er zwar spritziger, kann aber gut wieder eingefangen werden, sodass ich in meinen Tests tatsächlich keinerlei Nachteile feststellen konnte. Die Entscheidung für den Umstieg in den High-B-Bereich war dann letztlich viel leichter als zunächst angenommen. 🙂

Im Nachhinein muss ich fast ein wenig über mich lächeln – ich bin ein Hochgebirgsmensch und wollte den Tag eigentlich in der Hohen Tatra verbringen und war nicht sofort restlos begeistert, die „echten Berge“ links liegen zu lassen und ins Slowakische Paradies zu fahren. Gut, dass meine bessere Hälfte insistiert hat und Petrus mit seinem – sagen wir mal: bescheidenen – Wetter für die Hohe Tatra ebenfalls etwas nachgeholfen hat. Ansonsten wäre mir nämlich wirklich ein absoluter Höhepunkt unseres Urlaubs entgangen!

Wir fahren also von unserer Ferienwohnung in Štrba etwas unterhalb des Štrbské Pleso eine knappe Stunde in südöstlicher Richtung nach Hrabušice-Podlesok, kaufen die Eintrittskarten fürs Slowakische Paradies (4€ pro Person) und befinden uns bereits wenige Gehminuten später am untersten Punkt der Schlucht Suchá Belá, dem ersten Höhepunkt der Tour. Von nun an geht es die enge Klamm nach oben. Der Weg hat dabei einige unbefestigte Passagen, bei denen wir direkt im Flussbett oder in unmittelbarer Ufernähe wandern. Den Großteil der Schlucht sind wir aber auf unzähligen Stahltreppen, auf in die Felsen geschlagenen Tritten, Holz- und Metallleitern unterwegs, balancieren über präparierte Baumstämme und ziehen uns an Ketten hoch. Es ist eine wahre Freude, diesem Weg zu folgen, denn überall gibt es etwas zu sehen: Kleine Wasserfälle, Felsbecken, in denen sich das Wasser sammelt, natürliche Aushöhlungen in den Felswänden – einfach toll! Eine sehr abwechslungsreiche Stunde später und etwas mehr als 400 Höhenmeter weiter oben kommen wir am Ende der Schlucht an, machen eine kleine Pause und stärken uns.

Hier oben könnten wir uns Mountainbikes ausleihen und zum nächsten Wegpunkt unserer Wanderung, der Berghütte Chata Kláštorisko, fahren. Wir wollen unsere Runde aber per Pedes absolvieren und gehen über einen Mix aus Fahrstraßen und schönen Waldwegen in Summe etwas bergab, bis wir nach rund einer Stunde auf der großen Freifläche ankommen, auf der nicht nur die mittelgroße Hütte steht, die Wanderern typisch slowakische Gerichte anbietet. In Sichtweite stehen hier auch die Ruinen eines alten Klosters, die touristisch sehr interessant aufbereitet sind. Und last not least endet hier ein weiterer Klammweg, der aber ebenfalls nur in eine Richtung begangen werden darf. Um an dessen Ausgangspunkt tief unten im Tal zu gelangen, gehen wir in einem großen Bogen hinunter zum Fluß Hornád, der ein weiteres Tages-Highlight für uns bereit hält: den Prielom Hornádu. Dabei handelt es sich um einen Canyon-artigen Abschnitt, in dem sich der Fluss über die Jahrtausende in unzähligen Bögen tief in den Fels gefressen hat. Der Pfad geht dabei nicht nur einfach am Fluss entlang – das wäre ja eigentlich schon schön genug -, sondern hält für uns sehr viele versicherte Stellen bereit, an denen wir direkt an den Steilwänden auf Metalltritten unterwegs sind, uns an Ketten festhaltend Steilstellen überwinden müssen, und mehrfach über kleine Hängebrücken die Flussseite wechseln. Es macht einen Riesenspaß, auf diese Art und Weise im ständigen Auf und Ab dem Fluss zu folgen.

Wir könnten diesen Weg nun bis zum Ausgangspunkt der Wanderung folgen, hatten uns ja aber einen „kleinen“ Umweg überlegt: Nach rund einem Drittel des Canyon-Weges kommen wir nämlich direkt am Einstieg in die Klamm Kláštorská Roklina vorbei, die weiter oben unweit der großen Lichtung endet, die wir einige Stunden zuvor schon einmal passiert haben. Diese Schlucht ist zwar deutlich kürzer als die Suchá Belá, ist nicht zuletzt wegen mehreren Wasserfällen aber ebenfalls wirklich sehenswert. Auch hier sind wir wieder auf vielen Leitern und Tritten unterwegs, an einigen Stellen geht es senkrecht direkt neben Wasserfällen nach oben – toll! Nach rund einer halben Stunde abwechslungsreicher Kraxelei kommen wir auf der großen Freifläche direkt unterhalb der Ruinen an. Jetzt nutzen wir die wir die Gelegenheit und werfen einen Blick in die alten Gemäuer – sehr interessant! Anschließend essen wir noch einen Happen und werfen dabei einige besorgte Blicke auf die imposanten Wolkentürme, die sich in der Zwischenzeit hinter uns aufgebaut haben. Noch scheint das Wetter zu halten, wir wollen uns aber trotzdem etwas beeilen und brechen auf. Wir haben ja schließlich noch einige Kilometer vor uns…

Da man den Klammweg ja nicht von oben nach unten durchsteigen soll, nehmen wir einen fast parallel verlaufenden Weg nach unten, der aber ebenfalls am unteren Beginn der Schlucht herauskommt. Von dort aus folgen wir wieder dem wunderbaren Canyon-Weg. Im hinteren Teil gibt es wieder viele Abschnitte, in denen wir auf Stahltritten direkt über dem Fluss unterwegs sind – herrlich! Wir genießen die restlichen Kilometer, freuen uns, dass das Wetter hält und kommen im späten Nachmittag wieder am Parkplatz an!

Das Slowakische Paradies ist wirklich nicht „nur ein Plan B“ für Tatra-Urlauber, die aus welchen Gründen auch immer für einen Tag mal nicht im Hochgebirge unterwegs sein wollen/können. Es lohnt sich, dieses faszinierende Wandergebiet gezielt anzusteuern. Es muss ja nicht die große Runde sein, die wir gemacht haben. Das Wegenetz lässt eine Vielzahl von Wanderungen verschiedenster Schwierigkeitsstufen zu und bietet noch viele andere Sehenswürdigkeiten. Die Klammwege unserer Tour erfordern natürlich Trittsicherheit, eine gewisse Kondition und Schwindelfreiheit, zaubern aber sicherlich vielen Wanderer:innen ein verzücktes Grinsen aufs Gesicht.

Ich habe mich jedenfalls sehr gefreut, den Tag in diesem Wandergebiet verbracht zu haben! Was für eine coole Wanderung, was für ein schöner Tag!

Gesamtstrecke: 24675 m
Maximale Höhe: 971 m
Minimale Höhe: 526 m
Gesamtanstieg: 1142 m
Gesamtabstieg: -1139 m
Gesamtzeit: 08:45:28
Download file: SlowakParadies.gpx

Disclaimer
Ich beschreibe auf meiner kleinen Website natürlich nur meine persönlichen Erlebnisse und Erfahrungen. In der Bergen seid Ihr selbstverständlich eigenverantwortlich unterwegs. Bitte nutzt vor Euren Touren die mannigfaltigen Informationsmöglichkeiten im Netz, die einschlägige Literatur und/oder konsultiert die Informationsstellen vor Ort. Viel Spaß in den Bergen!

Der Štrbské Pleso ist nicht nur einer der beliebtesten touristisch erschlossenen Seen der Hohen Tatra, sondern auch einer der zentralen Ausgangspunkte für viele verschiedene interessante Wanderungen. Eine dieser Touren führt das Tal Mlynická Dolina hinauf zum beeindruckenden Wasserfall Skok (Vodopád Skok), führt an Bergseen vorbei zur Bystrá Lávka, wechselt dort hinüber ins Nachbartal Furkotska Dolina und endet nach einem attraktiven Abstieg an Seen vorbei letztlich wieder am Štrbské Pleso.

Wir starten am späten Morgen und folgen vom Bahnhof aus dem gelb markierten Weg, der zunächst an der Straße direkt neben dem See verläuft, aber schon bald im Wald verschwindet und in gerader Linie zum Vodopád Skok führt. Es ist ein wirklich schöner Wanderweg, der etwas späte Start fordert aber seinen Tribut – es sind nämlich sehr viele Wanderer und Spaziergänger unterwegs, die sich wohl zumindest den Wasserfall ansehen möchten. Aber egal, die Landschaft ist zauberhaft! Direkt unter dem Wasserfall machen wir eine Pause, hören und sehen, wie das Wasser die rund 25m hinunterschießt und genießen das eindrucksvolle Bergpanorama. Schon bald machen wir uns aber wieder auf die Socken und folgen wieder dem Weg, der nun sehr steil direkt an der Steilstufe nach oben geht. Die letzten Meter sind mit Ketten und Stahlklammern versichert. Im Trockenen sind sie zwar kaum notwendig, auf feuchtem Untergrund jedoch sicherlich höchst willkommen.

Von nun an bin ich alleine unterwegs – meine bessere Hälfte laboriert noch an nervigen Rückenproblemen und möchte aus diesem Grund lieber den Wasserfall und den nahegelegenen See (Pleso nad Skokum) erkunden und dann auf demselben Weg absteigen. Ich entscheide mich für die große Runde und gebe Gas, im Nachmittag wollen wir uns dann wieder am Štrbské Pleso treffen. Mein weiterer Weg zum Bystrá Lávka verläuft bis fast zum Talschluss über größere Hochplateaus mit Bergseen, wunderschönen Blumenwiesen und einem sehr schönen Bergpanorama. Es wechseln sich also flache Abschnitte mit steileren Passagen zur Überwindung der Steilstufen ab. Direkt am Capie Pleso biegt der Weg nach links ab und führt über Blockgelände, Schneefelder und Geröllpassagen steil nach oben.

In meiner Kindheit hat man noch den Bystre Sedlo als Verbindungsstück zum Nachbartal genutzt, wegen der dort verstärkten Erosion ist seit 1993 die rund 200m weiter südlich eingerichtete Scharte Bystrá Lávka (dt. ungefähr „Steiler Steig“) nunmehr Teil des Weges. Die letzten Meter bis zu diesem höchsten Punkt der Tour sind sehr steil und mit Ketten und Metallklammern versichert. Der Abschnitt ist technisch nicht wirklich schwierig, allerdings sollte man schon absolut trittsicher und frei von Höhenangst sein. Eine weitere Grundvoraussetzung scheint auch eine größere Portion Geduld zu sein, weil es sich hier schon mal stauen kann. Anders als bei anderen Sattelüberschreitungen in der Hoehen Tatra gibt es an der Bystrá Lávka keine explizite Empfehlung hinsichtlich der Tourenrichtung, sodass sich an diesem Nadelöhr die Menschenströme aus beiden Richtungen begegnen… Ich nutze die Wartezeit, um zurückzublicken und kann mich kaum satt sehen. Die Hochplateaus mit den Seen sind wirklich ein toller Anblick:

Nach rund 10-minütiger Wartezeit komme ich auf der anderen Seite an und muss nur noch die kurze kettenversicherte Stelle unterhalb der Scharte meistert – dann endlich kann ich den Ausblick genießen. Eine graue Wolkendecke hüllt zwar den Kriváñ und die anderen vor mir liegenden Berge ein, dafür ist der Obere Wahlenberg-See (Vyšné Wahlenbergovo Pleso) umso attraktiver. Bei diesem Bergsee handelt es sich um den zweithöchsten ständigen See der Hohen Tatra. Wir haben nun Mitte Juli, und er ist noch von Schneeresten umgeben. Hier und da treiben kleine Eisstücke und in der Uferregion schimmert es in einem wunderbaren Blau! Der Weg führt ohne Umwege direkt in Richtung Talausgang und geht über Blockplatten direkt am See vorbei. Danach geht es eine Steilstufe hinunter, wo mich der Soliskove Pleso und noch ein Stückchen weiter unten der Untere Wahlenberg-See (Nižné Wahlenbergovo Pleso) begrüßen.

Ich beobachte noch ein paar Gämsen, die weit über mir am Steilhang des Štrbské Solisko kraxeln und folge dem Weg weiter nach unten. Zunächst durch Latschengelände, wenig später direkt durch den Wald. Dieser Wegabschnitt mündet schließlich auf der Tatramagistrale, dem von Westen nach Osten verlaufenden Rückgrat des Wegenetzes der Hohen Tatra. Nun sind es nur noch wenige Kilometer zurück zum Štrbské Pleso.

Gesamtstrecke: 16878 m
Maximale Höhe: 2316 m
Minimale Höhe: 1322 m
Gesamtanstieg: 1359 m
Gesamtabstieg: -1311 m
Gesamtzeit: 05:57:31
Download file: BystraLavka.gpx

Verlängerung zum Predné Solisko
Als ich noch nicht ganz auf der Tatramagistrale angekommen bin, hat meine bessere Hälfte bereits den Štrbské Pleso erreicht. Glücklicherweise hält ihr Rücken, und es ist noch etwas vom Tag übrig. Also verabreden wir uns kurzerhand noch zu einem Abstecher auf den Predné Solisko… Ich gehe also mit Maximaltempo zum Štrbské Pleso zurück, umrunde den See halb in nördlicher Richtung und treffe meine bessere Hälfte an der Talstation des Sessellifts. Wir gönnen uns den Spaß und fahren mit baumelden Beinen zur Chata pod Soliskom hinauf und gehen von der Bergstation aus durch größtenteils Blockgelände die rund 300 Höhenmeter zum Predné Solisko (2117m) hinauf, von dem wir einen wundervollen Blick u.a. auf den Štrbské Pleso, den Kriváñ und last not least auf den vorderen Teil unserer heutigen Tour haben. Rückzu nehmen wir denselben Weg und fahren vom Štrbské Pleso mit der Zahnradbahn noch zwei Stationen zu unserer Ferienwohnung in Štrba, in der wir kurz nach 18 Uhr ankommen.

Was für ein schöner Wandertag!

Gesamtstrecke: 1882 m
Maximale Höhe: 2078 m
Minimale Höhe: 1816 m
Gesamtanstieg: 311 m
Gesamtabstieg: -303 m
Gesamtzeit: 01:26:47
Download file: PredneSolisko-.gpx

Der frühe Vogel hat seine Ruhe (oder so…)
Es lohnt sich, eine Stunde vor der „Welle“ der meisten anderen Wanderer und Spaziergänger zu starten – dann ist das Naturerlebnis noch schöner und vor allem ungestörter. Bei meinen Touren auf den Rysy und den Kriváñ ist mir genau das gelungen und hat mir in beiden Fällen viele unvergessliche Stunden „allein mit dem Berg“ beschert. Wer zeitlich flexibel ist, hat also so eine gute Chance, auch in den zu Stoßzeiten etwas überlaufenen Regionen der Hohen Tatra schöne ruhige Wandermomente genießen zu können!

Disclaimer
Ich beschreibe auf meiner kleinen Website natürlich nur meine persönlichen Erlebnisse und Erfahrungen. In der Bergen seid Ihr selbstverständlich eigenverantwortlich unterwegs. Bitte nutzt vor Euren Touren die mannigfaltigen Informationsmöglichkeiten im Netz, die einschlägige Literatur (z.B. den Wanderführer „Hohe Tatra“ von Václav Klumpar, ISBN: 978-3-7633-4503-8) und/oder konsultiert die Informationsstellen vor Ort. Viel Spaß in den Bergen!

Am letzten Urlaubstag in der Hohen Tatra haben wir eine wundervolle Tour unternommen, die mir noch lange in Erinnerung bleiben wird. In vielerlei Hinsicht beinhaltet diese Wanderung all das, was ich an der Hohen Tatra so liebe: Abwechslungsreiche Wege, wundervolle Ausblicke, Berghütten, Bergseen, Wasserfälle und Kletterpassagen – einfach wundervoll!

An diesem Tag liegt unser Wandergebiet im östlichen Teil der Hohen Tatra, ganz in der Nähe der ikonischen Lomnitzspitze, ist also ein gutes Stück von unserer Ferienwohnung in Štrba entfernt. Dank der hervorragenden Infrastruktur im Slowakischen Teil der Hohen Tatra ist es aber nur ein Klacks, zu unserem Ausgangspunkt, dem Hrebienok, zu gelangen: Wir nehmen die Zahnradbahn bis zum Štrbské Pleso, steigen dort in die Tatrabahn um, fahren bis Stary Smokovec und nehmen dort die Standseilbahn zum Hrebienok. Bereits nach einer guten Stunde Fahrtzeit können wir unsere Wanderung starten.

Wir folgen zunächst nicht dem kürzesten Weg zur Téryho Chata (dt. „Téryhütte“), sondern nehmen im ersten Abschnitt den längeren grünen Weg – so kommen wir an einigen sehr schönen Wasserfällen vorbei, die die paar zusätzlichen Gehminuten allemal wert sind! Kurz nach der Rainerova Chata (dt. „Rainerhütte“) vereinigt sich der grüne Wanderweg mit der Tatramagistrale, die erst kurz vor der Zamkovského Chata (dt. „Zamkovskyhütte“) weiter in Richtung Osten abbiegt. Wir bleiben jedoch auf dem grün markierten Weg, der nun fast in gerader Linie mit moderater Steigung in Richtung Téryho Chata strebt. Zunächst geht es noch durch den Wald, schon bald wird das Gelände offener. Auf der rechten Seite prangt weit oben die Lomnitzspitze, und in der Ferne kann man schon den Wasserfall direkt unter der Téryho Chata ausmachen, die ganz vorne an der Klippe steht – was für ein toller Anblick!

Erst kurz vor dem Wassserfall wird der Weg steiler. Die letzten Meter vor der Hütte führen an einem zweiten Wasserfall vorbei, und wenig später stehen wir direkt vor der Téryho Chata und befinden uns nun auf einem Hochplateau mit drei sehr schönen Bergseen. Wir machen eine kurze Pause, essen und trinken etwas und besprechen den weiteren Plan:

Von hier an wollen wir unseren Wandertag getrennt verbringen: Während meine bessere Hälfte vor Ort in aller Ruhe die Seen erkunden und dann auf demselben Weg zurück zum Hrebienok gehen möchte, reizt mich die große Runde über das Nachbartal Vel’ká Studená Dolina. Im späten Nachmittag wollen wir uns dann wieder am Ausgangspunkt treffen.
Mein Weg beinhaltet dabei etliche zusätzliche Höhenmeter und ist deutlich länger – ich verabschiede mich also bald und gehe nun sehr zügig auf dem gelben Pfad, der zunächst unterhalb der Pfinnova Kopa steil hinaufführt – hier sind stellenweise Stahlketten angebracht, die ich bei den idealen Bedingungen an diesem Tag aber kaum brauche. Dann schlängelt sich der Weg um den Berg und führt für kurze Zeit wieder ein Stück nach unten. An der Wegkreuzung bleibe ich auf dem gelben Weg – der blaue Pfad geht in Richtung Polen. Vor mir liegt nun ein unangenehm zu begehendes rutschiges Geröllfeld, das ich aber schnell in engen Serpentinen hochsteige, weil ich über mir bereits den Einstiegspunkt zu einem der absoluten Highlights der Tour sehe.

Rund Hundert Höhenmeter unter dem Priečne Sedlo (in dt. Sprache als „Prinzensattel“ bekannt), der die Verbindung zum Nachbartal Vel’ká Studená Dolina ist, beginnt eine fast senkrechte Wand, die man von Sicherungsketten und Metallklammern unterstützt durchsteigen muss. Diese Passage würde ich nur bei gutem Wetter und für äußerst trittsichere Wanderer empfehlen, die absolut keine Höhenangst haben und in der Lage sind, sich an Stahlketten emporzuziehen. Ein Helm als Schutz vor herabfallenden Steinen kann sicherlich auch nicht schaden. Wer ein Klettersteigset parat hat, kann auch auf den nur wenige Meter entfernt parallel verlaufenden Klettersteig niedriger Schwierigkeit ausweichen, der nicht zuletzt zur Entlastung der normalen Route eingerichtet worden ist.

Ich habe auf meiner Tour das große, große Glück, weder Vorsteiger noch Gegenverkehr zu haben, habe diese Passage also ganz für mich und kann die Wand mit einem großen Grinsen auf dem Gesicht hochklettern! Was für ein gewaltiger Spaß! 🙂
Der Abstieg auf der anderen Seite des Sattels gestaltet sich nicht ganz so steil, ist aber auch mit Ketten und Metallklammern gesichert. Direkt nach dem versicherten Abstieg folgt ein rutschiger Geröllabschnitt, der wenig später glücklicherweise in einen wunderbaren Bergweg übergeht. Die Zbojnícka Chata (dt. „Räuberhütte“) liegt ebenfalls auf meinem Weg und ist hier und da bereits in der Ferne zu sehen. Sie versteckt sich ganz in der Nähe eines Bergsees hinter einer Erhebung und lugt hin und wieder hervor. Es dauert aber noch etwas, bis ich sie erreiche, weil der Weg in einer großen Schlaufe fast den ganzen hintern Abschnitt des Vel’ke Studena Dolina durchmisst. Ich passiere u.a. die malerischen Bergseen Starolesnianske Pleso und Sesterské Pleso, umkurve Felsrippen, passiere Schneefelder und habe auf diese Weise ständig neue Perspektiven und tolle Ausblicke. Hoch über dem Talschluss erkenne ich den Pol’sky Hrebeñ, auf dem ich einige Tage zuvor gestanden habe und wetterbedingt eine Tour abgebrochen habe. So fügt sich alles zusammen…

Ich mache kurz an der Räuberhütte Halt, trinke etwas und beobachte dabei amüsiert einen Fuchs, der wie zufällig an rastenden Wanderern vorbeischlendert und vermutlich auf den einen oder anderen zusätzlichen Happen hofft, sich aber bald ins freie Gelände trollt. Auch ich muss los – ich will mich beeilen und das hohe Tempo halten – schließlich möchte ich meine bessere Hälfte tief unten im Tal nicht warten lassen… 😉 Der gelbe Weg endet an der Räuberhütte. Von nun an bin ich auf dem blau markierten Pfad unterwegs, der zunächst steil nach unten führt und dann mehr oder weniger in gerader Linie dem Fluss folgt. Ich genieße den Abstieg und schaue dabei immer wieder auf das eindrucksvolle Bergpanorama. Die letzten Kilometer führen zunächst durch Latschengelände und anschließend durch den Wald – ebenfalls sehr schön!

An der letzten Brücke vor dem Hrebienok treffen unser Hinweg und mein Rückweg aufeinander, und ich warte noch kurz auf meine bessere Hälfte, die wenig später eintrifft. Wir erzählen uns begeistert von unseren Erlebnissen, fahren mit der Standseilbahn zurück nach Stary Smokovic und lassen uns das Abendessen im wirklich empfehlenswerten Restaurant „Koliba Kamzík“ schmecken, bevor wir mit der Tatrabahn und einem Regionalzug zurück nach Štrba fahren, wo wir bereits nach weniger als einer Stunde Fahrtzeit ankommen.

Was für ein wunderbarer erfüllter Tag und gelungener Abschluss unseres Tatra-Urlaubs! 🙂

Meine große Runde ist mit Sicherheit eine der schönsten Wanderungen in der Hohen Tatra! Es ist eine lange Tour mit unzähligen Highlights, die ich gerne allen Wander:innen empfehlen möchte, die konditionsstark und absolut trittsicher und frei von Höhenangst sind! Mit diesen Voraussetzungen ist die Tour ein purer Genuss!

Gesamtstrecke: 20399 m
Maximale Höhe: 2302 m
Minimale Höhe: 1223 m
Gesamtanstieg: 1441 m
Gesamtabstieg: -1434 m
Gesamtzeit: 08:33:16
Download file: Terhyhuette.gpx

Disclaimer
Ich beschreibe auf meiner kleinen Website natürlich nur meine persönlichen Erlebnisse und Erfahrungen. In der Bergen seid Ihr selbstverständlich eigenverantwortlich unterwegs. Bitte nutzt vor Euren Touren die mannigfaltigen Informationsmöglichkeiten im Netz, die einschlägige Literatur (z.B. den Wanderführer „Hohe Tatra“ von Václav Klumpar, ISBN: 978-3-7633-4503-8) und/oder konsultiert die Informationsstellen vor Ort. Viel Spaß in den Bergen!

Die letzten Tage in der Hohen Tatra waren wettertechnisch …. sagen wir mal: herausfordernd. Jeden Tag gab es mehrere Unwetterwarnungen, die sich zwar nicht immer bewahrheiteten. Wenn es dann aber doch zu Starkregen, Hagel und Gewitter kam, waren die Nachrichten voll mit Berichten u.a. über Murenabgänge mit all den Folgen für Wanderer, die ich hier nicht näher beschreiben will. Natürlich habe ich deswegen besonders intensiv ins Wetter geschaut, bevor ich mich heute auf die Socken gemacht habe. Eigentlich sollte ich ein Fenster bis 14 Uhr haben – danach würde die Gewitterwahrscheinlichkeit signifikant zunehmen.

Der Plan war also, von Tatranská Polianka mit Maximaltempo zum Sliezsky Dom aufzusteigen und von dort in mehr oder weniger gerader Linie zum Sattel Pol’sky Hrebeñ hinaufzugehen. Wegen eines kleinen persönlichen Fuckups bin ich ausgerechnet heute etwas spät dran und steige erst 8:45 Uhr in Tatranská Polianka aus der Tatrabahn aus. Ich folge dem ausgeschilderten Weg zum Sliezsky Dom, der sich als sehr schöner Wanderweg entpuppt. Zunächst führt er mich durch den Wald, kreuzt dabei mehrmals das Bergflüsschen Velicky Potok, bis er schließlich am Sliezsky Dom ankommt.

Ich gönne mir wegen des sportlichen Zeitplans keine Pause, sondern folge dem Pfad entlang des Velické Pleso, der kurz darauf die Steilstufe zum sehr schön anzuschauenden Wasserfall Velicky Vodopad hinaufführt.

Oben angekommen, erwartet mich ein imposantes Bergpanorama mit der schönsten Bergblumenwiese, die ich ich in diesem Tatra-Urlaub zu sehen bekommen habe. Zwei, drei Fotos später steige ich weiter auf zum nächsten Bergsee auf der Route, dem Dlhé Pleso.

Nun wird es wieder ein wenig steiler, der Untergrund wird gerölliger. Ich laufe an einigen Schneefeldern vorbei und komme schließlich an dem kleinen Kletterstück an, das mit etlichen Ketten und Metallklammern versichert ist. Im Trockenen ist diese Passage absolut kein Problem, wenn der Untergrund nass ist, wird es hier sicherlich zumindest etwas schwieriger.

Geschafft, es ist kurz nach 11 Uhr und ich bin am Sattel Pol’sky Hrebeñ angekommen. Mich erwartet ein toller Rundumblick, der alles hat, was mich als Wanderer begeistert: Schroffe Berge, wundervolle Bergseen, steile Abhänge und einige (leichte) Kletterstellen. Ich esse schnell etwas, ziehe mir trockene Sachen an und will den Endanstieg zum Vychodná Vysoká in Angriff nehmen, als mein Handy möppelt: Eine Unwetterwarnung per SMS.

Kleines Panorama in westlicher Richtung: Links der Dlhé Pleso, rechts der Zamrznute Pleso. Hinter den Wolken u.a. die Gerlachspitze.

Warnung vor Starkregen, Sturm, Gewitter und Hagel. Verdammt, ich habe keine Datenverbindung, kann also in Windy & Co. nichts checken und bin nur auf meine eigene Einschätzung des Wolkenbildes angewiesen. Und das verändert sich im Minutentakt. Eben waren die benachbarten Gipfel (Litvorovy Štít, Zadny Gerlach usw.) noch zu sehen, doch nun stehen sie plötzliche in ultradunklen Wolken.

Das reicht mir, ich ziehe die Reißleine für die heutige Tour und steige auf demselben Weg wieder ab. Ich denke, dass ich alles richtig gemacht habe, genau weiß ich es natürlich nicht. Auf dem Rückweg ab Sliecsky Dom höre ich immer wieder Gewitter und als ich unten an der Bahnstation ankomme, fängt es mittelstark zu regnen an… Tja, so kann es gehen.

Gesamtstrecke: 16209 m
Maximale Höhe: 2185 m
Minimale Höhe: 990 m
Gesamtanstieg: 1342 m
Gesamtabstieg: -1341 m
Gesamtzeit: 05:08:27
Download file: Tour-Tatranska-Polianka.gpx

Tourenvarianten
Bei Wetterlagen ohne Gewitterneigung hätte ich natürlich den kleinen Abstecher zum Vychodná Vysoká gemacht und hätte dann den Sattel in Richtung Zbojnícka Chata überschritten, um dann durch das Vel’ká Studená Dolina bis Hrebienok zu laufen und ab Stary Smokovec mit der Bahn zurück nach Štrba zu kommen. Diese Tourvariante ist unter den zahlreichen möglichen Routen die für meinen Geschmach schönste – hoffentlich kann ich sie bei einem der nächsten Tatraurlaube verwirklichen.

Disclaimer
Ich beschreibe auf meiner kleinen Website natürlich nur meine persönlichen Erlebnisse und Erfahrungen. In der Bergen seid Ihr selbstverständlich eigenverantwortlich unterwegs. Bitte nutzt vor Euren Touren die mannigfaltigen Informationsmöglichkeiten im Netz, die einschlägige Literatur (z.B. den Wanderführer „Hohe Tatra“ von Václav Klumpar, ISBN: 978-3-7633-4503-8) und/oder konsultiert die Informationsstellen vor Ort. Viel Spaß in den Bergen!

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