Die letzten Tage in der Hohen Tatra waren wettertechnisch …. sagen wir mal: herausfordernd. Jeden Tag gab es mehrere Unwetterwarnungen, die sich zwar nicht immer bewahrheiteten. Wenn es dann aber doch zu Starkregen, Hagel und Gewitter kam, waren die Nachrichten voll mit Berichten u.a. über Murenabgänge mit all den Folgen für Wanderer, die ich hier nicht näher beschreiben will. Natürlich habe ich deswegen besonders intensiv ins Wetter geschaut, bevor ich mich heute auf die Socken gemacht habe. Eigentlich sollte ich ein Fenster bis 14 Uhr haben – danach würde die Gewitterwahrscheinlichkeit signifikant zunehmen.

Der Plan war also, von Tatranská Polianka mit Maximaltempo zum Sliezsky Dom aufzusteigen und von dort in mehr oder weniger gerader Linie zum Sattel Pol’sky Hrebeñ hinaufzugehen. Wegen eines kleinen persönlichen Fuckups bin ich ausgerechnet heute etwas spät dran und steige erst 8:45 Uhr in Tatranská Polianka aus der Tatrabahn aus. Ich folge dem ausgeschilderten Weg zum Sliezsky Dom, der sich als sehr schöner Wanderweg entpuppt. Zunächst führt er mich durch den Wald, kreuzt dabei mehrmals das Bergflüsschen Velicky Potok, bis er schließlich am Sliezsky Dom ankommt.

Ich gönne mir wegen des sportlichen Zeitplans keine Pause, sondern folge dem Pfad entlang des Velické Pleso, der kurz darauf die Steilstufe zum sehr schön anzuschauenden Wasserfall Velicky Vodopad hinaufführt.

Oben angekommen, erwartet mich ein imposantes Bergpanorama mit der schönsten Bergblumenwiese, die ich ich in diesem Tatra-Urlaub zu sehen bekommen habe. Zwei, drei Fotos später steige ich weiter auf zum nächsten Bergsee auf der Route, dem Dlhé Pleso.

Nun wird es wieder ein wenig steiler, der Untergrund wird gerölliger. Ich laufe an einigen Schneefeldern vorbei und komme schließlich an dem kleinen Kletterstück an, das mit etlichen Ketten und Metallklammern versichert ist. Im Trockenen ist diese Passage absolut kein Problem, wenn der Untergrund nass ist, wird es hier sicherlich zumindest etwas schwieriger.

Geschafft, es ist kurz nach 11 Uhr und ich bin am Sattel Pol’sky Hrebeñ angekommen. Mich erwartet ein toller Rundumblick, der alles hat, was mich als Wanderer begeistert: Schroffe Berge, wundervolle Bergseen, steile Abhänge und einige (leichte) Kletterstellen. Ich esse schnell etwas, ziehe mir trockene Sachen an und will den Endanstieg zum Vychodná Vysoká in Angriff nehmen, als mein Handy möppelt: Eine Unwetterwarnung per SMS.

Kleines Panorama in westlicher Richtung: Links der Dlhé Pleso, rechts der Zamrznute Pleso. Hinter den Wolken u.a. die Gerlachspitze.

Warnung vor Starkregen, Sturm, Gewitter und Hagel. Verdammt, ich habe keine Datenverbindung, kann also in Windy & Co. nichts checken und bin nur auf meine eigene Einschätzung des Wolkenbildes angewiesen. Und das verändert sich im Minutentakt. Eben waren die benachbarten Gipfel (Litvorovy Štít, Zadny Gerlach usw.) noch zu sehen, doch nun stehen sie plötzliche in ultradunklen Wolken.

Das reicht mir, ich ziehe die Reißleine für die heutige Tour und steige auf demselben Weg wieder ab. Ich denke, dass ich alles richtig gemacht habe, genau weiß ich es natürlich nicht. Auf dem Rückweg ab Sliecsky Dom höre ich immer wieder Gewitter und als ich unten an der Bahnstation ankomme, fängt es mittelstark zu regnen an… Tja, so kann es gehen.

Gesamtstrecke: 16209 m
Maximale Höhe: 2185 m
Minimale Höhe: 990 m
Gesamtanstieg: 1342 m
Gesamtabstieg: -1341 m
Gesamtzeit: 05:08:27

Tourenvarianten
Bei Wetterlagen ohne Gewitterneigung hätte ich natürlich den kleinen Abstecher zum Vychodná Vysoká gemacht und hätte dann den Sattel in Richtung Zbojnícka Chata überschritten, um dann durch das Vel’ká Studená Dolina bis Hrebienok zu laufen und ab Stary Smokovec mit der Bahn zurück nach Štrba zu kommen. Diese Tourvariante ist unter den zahlreichen möglichen Routen die für meinen Geschmach schönste – hoffentlich kann ich sie bei einem der nächsten Tatraurlaube verwirklichen.

Disclaimer
Ich beschreibe auf meiner kleinen Website natürlich nur meine persönlichen Erlebnisse und Erfahrungen. In der Bergen seid Ihr selbstverständlich eigenverantwortlich unterwegs. Bitte nutzt vor Euren Touren die mannigfaltigen Informationsmöglichkeiten im Netz, die einschlägige Literatur (z.B. den Wanderführer „Hohe Tatra“ von Václav Klumpar, ISBN: 978-3-7633-4503-8) und/oder konsultiert die Informationsstellen vor Ort. Viel Spaß in den Bergen!

Noch immer trage ich Kindheitserinnerungen an meine ersten Wanderungen in der Hohen Tatra in mir und spüre sofort jenen eindrucksvollen Gefühlsmix aus Abenteuer, Aufregung, Anstrengung und Stolz über eine Gipfelbesteigung in mir, wenn ich daran denke, wie ich als 5-Jähriger zum ersten Mal in meinem Leben in einem höheren Gebirge unterwegs war. Ich weiß noch, wie sehr mich der Bergsteigerfriedhof am Popradské Pleso fasziniert hat und wie ich staunend auf dem Rysy stand, mit dem einen Bein in Polen und dem anderen auf dem Gebiet der damaligen Tschecheslowakei. Dies alles gepaart mit den Erinnerungen an die wundervolle Landschaft und urigen Hütten…

In meinem jetzigen Tatraurlaub wollte ich unbedingt noch einmal auf die Berge meiner Kindheit gehen, und an diesem Tag hatte ich mir den Rysy ausgesucht. Damit ich möglichst vor dem zu erwartenden Wandererstrom unterwegs sein konnte, bimmelte um 3 Uhr der Wecker, 4:27 Uhr nahm ich die erste Zahnradbahn zum Štrbské Pleso, kurz vor 5 Uhr konnte es also losgehen….

Der Weg führt zunächst auf der Tatramagistrale leicht bergauf in Richtung Popradské Pleso, dem ich aber erst auf der Rücktour einen Besuch abstatten will. Ich biege also an der Weggabelung kurz vor dem See links ab und laufe weiter. Die Morgenstimmung ist wundervoll, einige Bergspitzen werden bereits von der Sonne wach geküsst, vieles liegt noch im Schatten, sodass ich in einer sehr angenehmen Morgenkühle unterwegs bin. Auf dem Weg nach oben gibt es so viel zu sehen. Der Mix aus Bergblumenwiesen, Wasserfällen, sehr schönen Wegen und dem stets präsenten Bergpanorama ist fantastisch schön. Ich freue mich, so zeitig am Morgen unterwegs zu sein und tatsächlich nur wenige andere Wanderer zu treffen, die aber ebenfalls die Stille und die erwachende Natur zu genießen scheinen.

Am Wasserfall wird der Weg ein wenig steiler und führt in Serpentinen in das Hochtal Kotlina Zabích plies mit den zwei malerisch schönen Bergseen Velké und Malé Zabie Pleso. Hoch über mir beginnt der kurze Ketten- und Steigversicherte Teil der Wanderung, den ich nach einigen Wegserpentinen schnell erreiche. Die gesicherten Stellen sind im Trockenen gar kein Problem – für mich als Kind waren diese Stellen der Inbegriff von Abenteuer – quasi ein Klettergerüst in XXL. 🙂

Wenige Minuten später passiere ich schon die Rysybaude Chata pod Rysmi, der ich aber erst auf der Rücktour einen Besuch abstatten will. Und das ist auch gut so, denn Hundert Meter über der Baude, direkt auf dem Sattel Váha, habe ich die bislang schönste Tierbegegnung des Urlaubs, die ich ansonsten mit Sicherheit verpasst hätte: Auf einem Schneefeld springt ein junger Fuchs umher und scheint sich nicht die Bohne um mich zu kümmern. Er spielt, trommelt auf den Schnee, lauscht nach möglicher Beute, läuft in einem Abstand von 2 Metern an mir vorbei und schaut dann (so wie ich) in die Tiefe – wundervoll!

Der Endanstieg ist einfach und beinhaltet nur kurz vor Schluss ein wenig Kraxelei, und schon stehe ich auf dem Gipfel. Halb 9 Uhr morgens sind schon einige andere Wanderer da – allesamt sehr nett, es ist ein wirklich schöner Moment! Ich lasse den Blick schweifen: Hinunter nach Polen, in Richtung Morskie Oko, im Westen mache ich den Kriváñ aus, auf dem ich einige Tage zuvor war, und in der Gegenrichtung sehe ich die Lomnitzspitze! Für mich hat der Gipfel nichts an seiner Faszination verloren. Wie als kleines Kind freue ich mich, hier oben zu sein und diese tolle Landschaft genießen zu können!

Auf dem Rückweg kehre ich kurz in die Rysybaude ein – die Wirte müssen schließlich auch von etwas leben – und mache natürlich auch einen kleinen Abstecher zum schönsten Bergklo der Hohen Tatra, das in einiger Entfernung zur Baude an einem Felsabgrund steht. 🙂

Auf dem Rückweg sehe ich meine Tagesplanung bestätigt – ich begegne sehr vielen anderen Wanderern, und die Temperaturen sind mittlerweile auch sehr hoch. Alles richtig gemacht also! Nun ist Zeit für einen Besuch des Popradské Pleso, mein Ziel ist der Bergsteigerfriedhof mit der kleinen Kapelle auf der anderen Seite des Sees. Ich schlendere also um den See, sehe viele Details, die Erinnerungen in mir wachrütteln. Schon bald erreiche ich den symbolischen Bergsteigerfriedhof mit seinen vielen Gedenkplatten für die in den Bergen umgekommenen Kletterer und Wanderer.

Während ich mir die Texte auf einigen der Platten durchlese und einen Blick in die kleine Kapelle werfe, spüre ich wie als Kind ein Gefühl der Andacht an die Verstorbenen und die Gewissheit, dass sich hinter jeder Erinnerungsplatte ein Schicksal verbirgt. Gleichzeitig freue ich mich, dass ich mit meinem erneuten Besuch meiner Lieblingsplätze aus meiner Kindheit die Erinnerung aufgefrischt, sie aber nicht zerstört habe.

Gegen Mittag bin ich wieder am Štrbské Pleso – überglücklich! Es ist interessant, wie sich im Lauf der Jahrzehnte vielleicht der Fokus auf verschiedenste Details verändert hat, die Faszination für die Berge und die Natur aber geblieben ist!

Gesamtstrecke: 24694 m
Maximale Höhe: 2482 m
Minimale Höhe: 1323 m
Gesamtanstieg: 1745 m
Gesamtabstieg: -1716 m
Gesamtzeit: 08:08:33

Disclaimer
Ich beschreibe auf meiner kleinen Website natürlich nur meine persönlichen Erlebnisse und Erfahrungen. In der Bergen seid Ihr selbstverständlich eigenverantwortlich unterwegs. Bitte nutzt vor Euren Touren die mannigfaltigen Informationsmöglichkeiten im Netz, die einschlägige Literatur (z.B. den Wanderführer „Hohe Tatra“ von Václav Klumpar, ISBN: 978-3-7633-4503-8) und/oder konsultiert die Informationsstellen vor Ort. Viel Spaß in den Bergen!

Nach mehreren Jahrzehnten (mein Gott, ich bin alt… ;-D ), in denen ich in anderen Wanderregionen unterwegs war, blicke ich endlich, endlich, endlich wieder auf die mir noch vertraute Silouette der Hohen Tatra und spüre dabei einen Mix aus Vorfreude, Neugierde, Nostalgie und dem Gefühl, nach Hause zu kommen. So seltsam das auch klingen mag. Ich habe noch Erinnerungsfetzen im Kopf, wie ich als 5-Jähriger Knirps auf dem Kriváñ und dem Rysy stehe, an bestimmte Wegabschnitte, an Bergseen, daran, wie ich staunend die Lastenträger beobachtet habe, die mit ihren überdimensionierten Holzkraxen die Berghütten mit all den Dingen versorgen, die dort gebraucht und verkauft werden…

Der Kriváñ (dt.: Kriwan, Ochsenhorn, Krummhorn) war der erste Berggipfel in meinem Leben, und so ist es ein lustiger Zufall, dass ich auch in diesem Urlaub zuerst diesem populären Tatra-Gipfel einen Besuch abstatten will. Ich bin in der Hauptferienzeit an einem Samstag unterwegs und rechne mit einem großen Andrang. Deswegen will ich recht zeitig starten und sehr schnell aufsteigen.

Ganz links oben steht der charakteristische krumme Zacken des Kriváñ, gesehen (an einem anderen Tag) vom Štrbské Pleso aus.

Kurz vor 6 Uhr steige ich am Štrbské Pleso aus der Zahnradbahn aus und folge auf den ersten Kilometern der Tatramagistrale, dem gut ausgebauten Weg, der zu Füßen der Hohen Tatra verläuft und somit eine Art Rückgrat des Wegenetzes darstellt. Nach rund einer Stunde zügigen Gehens biege ich einen Steinwurf vom Jamské Pleso entfernt rechts in Richtung Kriváñ ab, von nun an geht es den Bergrücken in mehr oder weniger gerader Linie nach oben.

Zunächst führt ein schmaler Pfad durch wunderschöne Blumenwiesen, schon bald wird der Weg etwas breiter, steiler und steiniger und schraubt sich durch den Wald nach oben, um schließlich in offenes Latschengelände zu münden. Hier habe ich einen tollen Blick zurück zum Štrbské Pleso und hinüber zur Niederen Tatra. Vor mir sehe noch nicht allzu viel.

Dabei wäre zumindest der Vorgipfel meines heutigen Zieles, der Kleine Kriváñ, eigentlich auch die meiste Zeit zu sehen. Zum Zeitpunkt meines Aufstiegs liegt die Wolkenuntergrenze allerdings noch bei rund 2000 m, Vor- und Hauptgipfel schlummern also noch in den Wolken. Eine einzelne Gämse taucht schemenhaft aus dem Grau hervor, begrüßt mich mit einem lauten Ruf und schaut mir eine Weile hinterher, bevor sie wieder verschwindet. Es wird zunehmend kühler. Ich ziehe trockene Kleidung an, trinke etwas und versuche, meine Kindheitserinnerungen zu sortieren: Der Kriváñ war mein erster Berggipfel und ich erinnere mich vage an Blockklettereinlagen kurz vor dem Gipfel. Diese Passage ist nur noch wenige Gehminuten von mir entfernt. Schon bald passiere ich die Stelle, an der sich beide Kriváñ-Zugänge vereinigen und fortan den Endanstieg miteinander teilen. Jetzt sehe und höre ich zum ersten Mal einige vereinzelte andere Wanderer.

Von jetzt an geht es steil nach oben, immer wieder muss ich auch die Hände zu Hilfe nehmen. Die Blockkletterei ist dabei technisch nicht wirklich anspruchsvoll, trockenes Wetter ist aber definitiv von Vorteil, Trittsicherheit meiner Meinung nach zwingende Voraussetzung! Kurz nachdem ich den Kleinen Kriváñ passiert habe, also nur noch 160 Höhenmeter vor mir liegen, erbarmt sich die dicke Wolkensuppe, reißt hier und da auf und lässt dabei einige Blicke in die Tiefe und die Ferne zu!

Was für ein Glück! Ich genieße die letzten Meter des Aufstiegs und komme bereits nach rund 3:20 Stunden Gehzeit ab Štrbské Pleso mit einem Riesengrinsen auf dem Gesicht auf dem Gipfel an. Hier stand ich schon als kleiner Junge! Komisch, wie sehr mich das anfasst, jetzt nach all den Jahren erneut wieder hier stehen zu können und kleine Erinnerungsfetzen mit neuen Eindrücken komplettieren zu können. Mittlerweile ist der Blick fast komplett frei, nur noch wenige Wolken ziehen in hohem Tempo die steilen Hänge hoch. Ich suche mir an der Ostseite des Gipfel einen ruhigen Platz und genieße den traumhaft schönen Blick hinunter zum Krivánske Zelené Pleso und den Nižné Terianske Pleso und hinüber zu all den Gipfeln, die für mich wahre Verheißungen für andere Wanderungen darstellen! Toll!

Beim Abstieg wird schnell deutlich, wie gut das Timing meines zeitigen Aufstiegs doch gewählt war. Mittlerweile sind sehr viele Menschen am Berg unterwegs. Kein Wunder, der Kriváñ gehört mit Sicherheit zu den populärsten Gipfeln des Gebirges! Kurzerhand entscheide ich mich gegen die geplante Abstiegsroute über den Partisanenbunker, weil mir das Treiben auf diesem Weg einfach eine Spur zu bunt wird. Ich gehe also auf dem deutlich weniger begangenen Weg hinunter, über den ich einige Stunden zuvor schon aufgestiegen bin.

Was für ein Glück, meinem ersten Gipfel erneut einen Besuch abgestattet haben zu können und dabei quasi während des ganzen Aufstiegs alleine mit dem Berg gewesen zu sein!

Gesamtstrecke: 20289 m
Maximale Höhe: 2457 m
Minimale Höhe: 1324 m
Gesamtanstieg: 1491 m
Gesamtabstieg: -1460 m
Gesamtzeit: 06:47:06

Disclaimer
Ich beschreibe auf meiner kleinen Website natürlich nur meine persönlichen Erlebnisse und Erfahrungen. In der Bergen seid Ihr selbstverständlich eigenverantwortlich unterwegs. Bitte nutzt vor Euren Touren die mannigfaltigen Informationsmöglichkeiten im Netz, die einschlägige Literatur (z.B. den Wanderführer „Hohe Tatra“ von Václav Klumpar, ISBN: 978-3-7633-4503-8) und/oder konsultiert die Informationsstellen vor Ort. Viel Spaß in den Bergen!