2016 – Habicht

19. August 2016 Wandern

Neder – Pinnistal – Innsbrucker Hütte – Habicht (3277m) – Innsbrucker Hütte – Neustift

Am Ende meines ersten Gleitschirmkurses im Stubaital hatte ich noch einen Tag übrig – was tun? Mir kam sogleich der Habicht in den Sinn, der markante 3000er im vorderen Stubaital, den ich schon seit geraumer Zeit besteigen wollte. Glücklicherweise hatte ich mich am Vortag im Bergführerbüro in Neustift nach den Bedingungen für den Folgetag und über den Berg an sich erkundigt – spätestens gegen Mittag sollte ich den Gipfel erreichen, um nicht in Gipfelnähe in den Regen zu kommen…

Drei hin, vier im Sinn… Nach kurzem Überschlagen der zu überwindenen Distanzen und des zeitlichen Ablaufs der Route war klar, dass ich sehr früh, also deutlich vor dem Frühstück, starten musste, so schnell wie möglich das Pinnistal durchqueren musste, um dann zügig den eigentlichen Anstieg über die Innsbrucker Hütte zum Habicht in Angriff nehmen zu können.

Ich habe mir dann kurzer Hand ein E-Bike ausgeliehen und bin am kommenden Morgen noch vor 5 Uhr gestartet. Jetzt hatte ich allerdings ein Problem. Wie lang würde wohl der Akku halten? Keine Ahnung, das war das erste Mal, dass ich als überzeugter Non-E-Bike-Fahrer überhaupt auf einem E-Bike saß. Ok, also dann zur Sicherheit mit minimaler Unterstützung… Im Nachhinein musste ich über mich schmunzeln. Gerade im vorderen Teil des Pinnistals ist der Anstieg so extrem, dass man Mühe hat, das Vorderrad auf dem Boden zu halten. Hier hätte ich mir rückblickend deutlich mehr Motorkraft gönnen können – am Ende des Tages hatte ich nämlich noch deutlich mehr als die Hälfte der Akkukapazität übrig. *facepalm* Andererseits fühlte sich das E-Bike-Fahren irgendwie nach Cheaten an. Dass ich es mir dabei schwerer gemacht hatte, als es eigentlich nötig gewesen wäre, sorgte dabei irgendwie für einen gewissen Ausgleich. 🙂

Ich passierte Almhütte um Almhütte und kam endlich am Ende des Pinnistals an der Karalm an. Hier musste ich das Rad abstellen – von nun an ging es per pedes weiter! Die Dunkelheit war dem Morgengrauen gewichen, voller Vorfreude machte ich mich an den Anstieg. Der Weg zu meinem ersten Tagesziel, der Innsbrucker Hütte, war steil aber gut ausgebaut und führte im wesentlichen in weiten Serpentinen hinauf. Ich kam schnell voran und hatte dabei immer wieder einen wundervollen Blick auf die Habichtspitze, die nun von der Morgensonne angestrahlt wurde. Als ob sie mir zurufen wollte: „Komm, beeil Dich! Hier ist das Ziel!“. Immer wieder stoben Gämsen mit lautem Getöse an den Schotterhängen entlang, was für ein fantastischer Anblick!

An der Innsbrucker Hütte angekommen, aß ich schnell einen Riegel und machte mich ohne einzukehren an den Aufstieg. Es war erst gegen halb 7 Uhr, der Zeitplan ging also bislang sehr gut auf. Der Weg war gut markiert und sorgte für ein schnelles Vorankommen. Immer wieder drehte ich mich um und konnte mich an dem Panorama kaum satt sehen: Die Wolken zogen über den Grat und bildeten auf Seiten des Gschnitztales einen wundervollen Rotor. Dahinter Bergkette um Bergkette, magisch von der Morgensonne angestrahlt – einfach fantastisch! Genau hier wollte ich sein!

Die Route war sehr abwechslungsreich: Einfachere Passagen wechselten sich mit seil- und kettenversicherten Stellen ab. Mal war der Weg völlig unproblematisch, bald darauf stark ausgesetzt. Sicherlich sollten nur trittsichere und schwindelfreie Wanderer hier hochgehen.

Wenn man auf Abkürzungen „außen rum“ verzichtet (so wie ich) und dem ausgeschilderten Weg folgt, sind die dabei zu überquerenden Schneefelder völlig problemlos. Bereits im frühen Vormittag war es abzusehen, dass es sich bald zuziehen würde. Also beeilte ich mich, auch noch die letzten 100-200 Höhenmeter zu absolvieren. Kurz vor dem Gipfel gab es noch mehrere kurze seilversicherte Stellen, die ich schnell überwand und dann endlich auf meinem ersten 3000er stand! 3277m, um genau zu sein! 🙂

Was für ein Ausblick! Ich plünderte meinen Proviant und genoss dabei die Rundumsicht, die aber zunehmend von Wolken verdeckt wurde. Gut, dass ich mir den Rat der Bergführer eingeholt hatte. Wäre ich auch nur eine halbe Stunde später am Gipfel angekommen, hätte ich an diesem Tag komplett in den Wolken gestanden! Jetzt nur noch sicher wieder unten ankommen! Also los, ich hielt mich nicht lange am Gipfel auf und machte mich an den Abstieg. Bereits auf halber Strecke zur Innsbrucker Hütte begann es zu nieseln. Gut, dass ich schon auf dem Rückweg war… Im Trockenen war der Weg gar kein Problem, im Nassen wird es an den versicherten Stellen natürlich schnell rutschig.

Im späten Vormittag stand ich nun zum zweiten Mal an diesem Tag vor der Innsbrucker Hütte – diesmal bin ich für einen heißen Tee eingekehrt und habe dabei meine Sachen getrocknet. Was für ein behagliches, zufriedenes Gefühl! 🙂 Der Weg zurück zur Karalm war dann nur noch eine Kür – mittlerweile hatte es aufgehört zu regnen und die Sonne kam erneut durch. Überglücklich absolvierte ich die letzten Kilometer und belohnte mich für den Expressauf- und -abstieg an der Karalm mit einem großen Stück Kuchen und (nat.) einer Tasse Kaffee, bevor ich mit dem Rad mit Volldampf das Pinnistal runtergeballert bin.

Bereits gegen Mittag war ich wieder in Neustift. Eine Freundin hat den Habicht zur selben Zeit von der anderen Talseite fotografiert, als er nun schon komplett in den Wolken stand.

Solide Planung und konsequente Umsetzung! Was für ein schöner, erfüllender und unvergesslicher Wandertag! 🙂

Der Habicht, in etwa zum Zeitpunkt, als ich bereits wieder in Neustift war – von einer Freundin von der anderen Talseite aus aufgenommen. Er war nunmehr kaum zu sehen und fast vollständig von dunklen Wolken umgeben. Alles richtig gemacht! 🙂

Tourenalternative
Eine sicherlich auch interessante Tourenvariante ergibt sich bei der Aufteilung auf zwei Tage:

  • Tag 1: Aufstieg aus dem Stubaital zur Innsbrucker Hütte mit Übernachtung (vorher anmelden!)
  • Tag 2: Aufstieg zum Habicht und Abstieg ins Stubaital oder nochmalige Übernachtung

Diese Varianten entspannen den Zeitplan deutlich und bedeuten natürlich auch signifikant weniger Höhenmeter/Tag. Wenn man das richtige Wetter abpasst, sind bestimmt schon alleine der Sonnenunter- und -Aufgang sowie der Sternenhimmel an der Innsbrucker Hütte gute Argumente für diese Varianten. Zudem kann man sich für den Auf- und Abstieg sehr viel mehr Zeit lassen.

Disclaimer
Ich gebe hier nur meine eigenen Eindrücke von der Tour und den Schwierigkeiten wieder. In den Bergen seid Ihr natürlich eigenverantwortlich unterwegs. Informiert Euch bitte bei den ultrafreundlichen Bergführern im Bergführerbüro in Neustift in der Nähe der Kirche und/oder zieht Literatur zu Rate. Viel Spaß! 🙂