Die letzten Tage in der Hohen Tatra waren wettertechnisch …. sagen wir mal: herausfordernd. Jeden Tag gab es mehrere Unwetterwarnungen, die sich zwar nicht immer bewahrheiteten. Wenn es dann aber doch zu Starkregen, Hagel und Gewitter kam, waren die Nachrichten voll mit Berichten u.a. über Murenabgänge mit all den Folgen für Wanderer, die ich hier nicht näher beschreiben will. Natürlich habe ich deswegen besonders intensiv ins Wetter geschaut, bevor ich mich heute auf die Socken gemacht habe. Eigentlich sollte ich ein Fenster bis 14 Uhr haben – danach würde die Gewitterwahrscheinlichkeit signifikant zunehmen.

Der Plan war also, von Tatranská Polianka mit Maximaltempo zum Sliezsky Dom aufzusteigen und von dort in mehr oder weniger gerader Linie zum Sattel Pol’sky Hrebeñ hinaufzugehen. Wegen eines kleinen persönlichen Fuckups bin ich ausgerechnet heute etwas spät dran und steige erst 8:45 Uhr in Tatranská Polianka aus der Tatrabahn aus. Ich folge dem ausgeschilderten Weg zum Sliezsky Dom, der sich als sehr schöner Wanderweg entpuppt. Zunächst führt er mich durch den Wald, kreuzt dabei mehrmals das Bergflüsschen Velicky Potok, bis er schließlich am Sliezsky Dom ankommt.

Ich gönne mir wegen des sportlichen Zeitplans keine Pause, sondern folge dem Pfad entlang des Velické Pleso, der kurz darauf die Steilstufe zum sehr schön anzuschauenden Wasserfall Velicky Vodopad hinaufführt.

Oben angekommen, erwartet mich ein imposantes Bergpanorama mit der schönsten Bergblumenwiese, die ich ich in diesem Tatra-Urlaub zu sehen bekommen habe. Zwei, drei Fotos später steige ich weiter auf zum nächsten Bergsee auf der Route, dem Dlhé Pleso.

Nun wird es wieder ein wenig steiler, der Untergrund wird gerölliger. Ich laufe an einigen Schneefeldern vorbei und komme schließlich an dem kleinen Kletterstück an, das mit etlichen Ketten und Metallklammern versichert ist. Im Trockenen ist diese Passage absolut kein Problem, wenn der Untergrund nass ist, wird es hier sicherlich zumindest etwas schwieriger.

Geschafft, es ist kurz nach 11 Uhr und ich bin am Sattel Pol’sky Hrebeñ angekommen. Mich erwartet ein toller Rundumblick, der alles hat, was mich als Wanderer begeistert: Schroffe Berge, wundervolle Bergseen, steile Abhänge und einige (leichte) Kletterstellen. Ich esse schnell etwas, ziehe mir trockene Sachen an und will den Endanstieg zum Vychodná Vysoká in Angriff nehmen, als mein Handy möppelt: Eine Unwetterwarnung per SMS.

Kleines Panorama in westlicher Richtung: Links der Dlhé Pleso, rechts der Zamrznute Pleso. Hinter den Wolken u.a. die Gerlachspitze.

Warnung vor Starkregen, Sturm, Gewitter und Hagel. Verdammt, ich habe keine Datenverbindung, kann also in Windy & Co. nichts checken und bin nur auf meine eigene Einschätzung des Wolkenbildes angewiesen. Und das verändert sich im Minutentakt. Eben waren die benachbarten Gipfel (Litvorovy Štít, Zadny Gerlach usw.) noch zu sehen, doch nun stehen sie plötzliche in ultradunklen Wolken.

Das reicht mir, ich ziehe die Reißleine für die heutige Tour und steige auf demselben Weg wieder ab. Ich denke, dass ich alles richtig gemacht habe, genau weiß ich es natürlich nicht. Auf dem Rückweg ab Sliecsky Dom höre ich immer wieder Gewitter und als ich unten an der Bahnstation ankomme, fängt es mittelstark zu regnen an… Tja, so kann es gehen.

Gesamtstrecke: 16209 m
Maximale Höhe: 2185 m
Minimale Höhe: 990 m
Gesamtanstieg: 1342 m
Gesamtabstieg: -1341 m
Gesamtzeit: 05:08:27

Tourenvarianten
Bei Wetterlagen ohne Gewitterneigung hätte ich natürlich den kleinen Abstecher zum Vychodná Vysoká gemacht und hätte dann den Sattel in Richtung Zbojnícka Chata überschritten, um dann durch das Vel’ká Studená Dolina bis Hrebienok zu laufen und ab Stary Smokovec mit der Bahn zurück nach Štrba zu kommen. Diese Tourvariante ist unter den zahlreichen möglichen Routen die für meinen Geschmach schönste – hoffentlich kann ich sie bei einem der nächsten Tatraurlaube verwirklichen.

Disclaimer
Ich beschreibe auf meiner kleinen Website natürlich nur meine persönlichen Erlebnisse und Erfahrungen. In der Bergen seid Ihr selbstverständlich eigenverantwortlich unterwegs. Bitte nutzt vor Euren Touren die mannigfaltigen Informationsmöglichkeiten im Netz, die einschlägige Literatur (z.B. den Wanderführer „Hohe Tatra“ von Václav Klumpar, ISBN: 978-3-7633-4503-8) und/oder konsultiert die Informationsstellen vor Ort. Viel Spaß in den Bergen!

Noch immer trage ich Kindheitserinnerungen an meine ersten Wanderungen in der Hohen Tatra in mir und spüre sofort jenen eindrucksvollen Gefühlsmix aus Abenteuer, Aufregung, Anstrengung und Stolz über eine Gipfelbesteigung in mir, wenn ich daran denke, wie ich als 5-Jähriger zum ersten Mal in meinem Leben in einem höheren Gebirge unterwegs war. Ich weiß noch, wie sehr mich der Bergsteigerfriedhof am Popradské Pleso fasziniert hat und wie ich staunend auf dem Rysy stand, mit dem einen Bein in Polen und dem anderen auf dem Gebiet der damaligen Tschecheslowakei. Dies alles gepaart mit den Erinnerungen an die wundervolle Landschaft und urigen Hütten…

In meinem jetzigen Tatraurlaub wollte ich unbedingt noch einmal auf die Berge meiner Kindheit gehen, und an diesem Tag hatte ich mir den Rysy ausgesucht. Damit ich möglichst vor dem zu erwartenden Wandererstrom unterwegs sein konnte, bimmelte um 3 Uhr der Wecker, 4:27 Uhr nahm ich die erste Zahnradbahn zum Štrbské Pleso, kurz vor 5 Uhr konnte es also losgehen….

Der Weg führt zunächst auf der Tatramagistrale leicht bergauf in Richtung Popradské Pleso, dem ich aber erst auf der Rücktour einen Besuch abstatten will. Ich biege also an der Weggabelung kurz vor dem See links ab und laufe weiter. Die Morgenstimmung ist wundervoll, einige Bergspitzen werden bereits von der Sonne wach geküsst, vieles liegt noch im Schatten, sodass ich in einer sehr angenehmen Morgenkühle unterwegs bin. Auf dem Weg nach oben gibt es so viel zu sehen. Der Mix aus Bergblumenwiesen, Wasserfällen, sehr schönen Wegen und dem stets präsenten Bergpanorama ist fantastisch schön. Ich freue mich, so zeitig am Morgen unterwegs zu sein und tatsächlich nur wenige andere Wanderer zu treffen, die aber ebenfalls die Stille und die erwachende Natur zu genießen scheinen.

Am Wasserfall wird der Weg ein wenig steiler und führt in Serpentinen in das Hochtal Kotlina Zabích plies mit den zwei malerisch schönen Bergseen Velké und Malé Zabie Pleso. Hoch über mir beginnt der kurze Ketten- und Steigversicherte Teil der Wanderung, den ich nach einigen Wegserpentinen schnell erreiche. Die gesicherten Stellen sind im Trockenen gar kein Problem – für mich als Kind waren diese Stellen der Inbegriff von Abenteuer – quasi ein Klettergerüst in XXL. 🙂

Wenige Minuten später passiere ich schon die Rysybaude Chata pod Rysmi, der ich aber erst auf der Rücktour einen Besuch abstatten will. Und das ist auch gut so, denn Hundert Meter über der Baude, direkt auf dem Sattel Váha, habe ich die bislang schönste Tierbegegnung des Urlaubs, die ich ansonsten mit Sicherheit verpasst hätte: Auf einem Schneefeld springt ein junger Fuchs umher und scheint sich nicht die Bohne um mich zu kümmern. Er spielt, trommelt auf den Schnee, lauscht nach möglicher Beute, läuft in einem Abstand von 2 Metern an mir vorbei und schaut dann (so wie ich) in die Tiefe – wundervoll!

Der Endanstieg ist einfach und beinhaltet nur kurz vor Schluss ein wenig Kraxelei, und schon stehe ich auf dem Gipfel. Halb 9 Uhr morgens sind schon einige andere Wanderer da – allesamt sehr nett, es ist ein wirklich schöner Moment! Ich lasse den Blick schweifen: Hinunter nach Polen, in Richtung Morskie Oko, im Westen mache ich den Kriváñ aus, auf dem ich einige Tage zuvor war, und in der Gegenrichtung sehe ich die Lomnitzspitze! Für mich hat der Gipfel nichts an seiner Faszination verloren. Wie als kleines Kind freue ich mich, hier oben zu sein und diese tolle Landschaft genießen zu können!

Auf dem Rückweg kehre ich kurz in die Rysybaude ein – die Wirte müssen schließlich auch von etwas leben – und mache natürlich auch einen kleinen Abstecher zum schönsten Bergklo der Hohen Tatra, das in einiger Entfernung zur Baude an einem Felsabgrund steht. 🙂

Auf dem Rückweg sehe ich meine Tagesplanung bestätigt – ich begegne sehr vielen anderen Wanderern, und die Temperaturen sind mittlerweile auch sehr hoch. Alles richtig gemacht also! Nun ist Zeit für einen Besuch des Popradské Pleso, mein Ziel ist der Bergsteigerfriedhof mit der kleinen Kapelle auf der anderen Seite des Sees. Ich schlendere also um den See, sehe viele Details, die Erinnerungen in mir wachrütteln. Schon bald erreiche ich den symbolischen Bergsteigerfriedhof mit seinen vielen Gedenkplatten für die in den Bergen umgekommenen Kletterer und Wanderer.

Während ich mir die Texte auf einigen der Platten durchlese und einen Blick in die kleine Kapelle werfe, spüre ich wie als Kind ein Gefühl der Andacht an die Verstorbenen und die Gewissheit, dass sich hinter jeder Erinnerungsplatte ein Schicksal verbirgt. Gleichzeitig freue ich mich, dass ich mit meinem erneuten Besuch meiner Lieblingsplätze aus meiner Kindheit die Erinnerung aufgefrischt, sie aber nicht zerstört habe.

Gegen Mittag bin ich wieder am Štrbské Pleso – überglücklich! Es ist interessant, wie sich im Lauf der Jahrzehnte vielleicht der Fokus auf verschiedenste Details verändert hat, die Faszination für die Berge und die Natur aber geblieben ist!

Gesamtstrecke: 24694 m
Maximale Höhe: 2482 m
Minimale Höhe: 1323 m
Gesamtanstieg: 1745 m
Gesamtabstieg: -1716 m
Gesamtzeit: 08:08:33

Disclaimer
Ich beschreibe auf meiner kleinen Website natürlich nur meine persönlichen Erlebnisse und Erfahrungen. In der Bergen seid Ihr selbstverständlich eigenverantwortlich unterwegs. Bitte nutzt vor Euren Touren die mannigfaltigen Informationsmöglichkeiten im Netz, die einschlägige Literatur (z.B. den Wanderführer „Hohe Tatra“ von Václav Klumpar, ISBN: 978-3-7633-4503-8) und/oder konsultiert die Informationsstellen vor Ort. Viel Spaß in den Bergen!

Nach mehreren Jahrzehnten (mein Gott, ich bin alt… ;-D ), in denen ich in anderen Wanderregionen unterwegs war, blicke ich endlich, endlich, endlich wieder auf die mir noch vertraute Silouette der Hohen Tatra und spüre dabei einen Mix aus Vorfreude, Neugierde, Nostalgie und dem Gefühl, nach Hause zu kommen. So seltsam das auch klingen mag. Ich habe noch Erinnerungsfetzen im Kopf, wie ich als 5-Jähriger Knirps auf dem Kriváñ und dem Rysy stehe, an bestimmte Wegabschnitte, an Bergseen, daran, wie ich staunend die Lastenträger beobachtet habe, die mit ihren überdimensionierten Holzkraxen die Berghütten mit all den Dingen versorgen, die dort gebraucht und verkauft werden…

Der Kriváñ (dt.: Kriwan, Ochsenhorn, Krummhorn) war der erste Berggipfel in meinem Leben, und so ist es ein lustiger Zufall, dass ich auch in diesem Urlaub zuerst diesem populären Tatra-Gipfel einen Besuch abstatten will. Ich bin in der Hauptferienzeit an einem Samstag unterwegs und rechne mit einem großen Andrang. Deswegen will ich recht zeitig starten und sehr schnell aufsteigen.

Ganz links oben steht der charakteristische krumme Zacken des Kriváñ, gesehen (an einem anderen Tag) vom Štrbské Pleso aus.

Kurz vor 6 Uhr steige ich am Štrbské Pleso aus der Zahnradbahn aus und folge auf den ersten Kilometern der Tatramagistrale, dem gut ausgebauten Weg, der zu Füßen der Hohen Tatra verläuft und somit eine Art Rückgrat des Wegenetzes darstellt. Nach rund einer Stunde zügigen Gehens biege ich einen Steinwurf vom Jamské Pleso entfernt rechts in Richtung Kriváñ ab, von nun an geht es den Bergrücken in mehr oder weniger gerader Linie nach oben.

Zunächst führt ein schmaler Pfad durch wunderschöne Blumenwiesen, schon bald wird der Weg etwas breiter, steiler und steiniger und schraubt sich durch den Wald nach oben, um schließlich in offenes Latschengelände zu münden. Hier habe ich einen tollen Blick zurück zum Štrbské Pleso und hinüber zur Niederen Tatra. Vor mir sehe noch nicht allzu viel.

Dabei wäre zumindest der Vorgipfel meines heutigen Zieles, der Kleine Kriváñ, eigentlich auch die meiste Zeit zu sehen. Zum Zeitpunkt meines Aufstiegs liegt die Wolkenuntergrenze allerdings noch bei rund 2000 m, Vor- und Hauptgipfel schlummern also noch in den Wolken. Eine einzelne Gämse taucht schemenhaft aus dem Grau hervor, begrüßt mich mit einem lauten Ruf und schaut mir eine Weile hinterher, bevor sie wieder verschwindet. Es wird zunehmend kühler. Ich ziehe trockene Kleidung an, trinke etwas und versuche, meine Kindheitserinnerungen zu sortieren: Der Kriváñ war mein erster Berggipfel und ich erinnere mich vage an Blockklettereinlagen kurz vor dem Gipfel. Diese Passage ist nur noch wenige Gehminuten von mir entfernt. Schon bald passiere ich die Stelle, an der sich beide Kriváñ-Zugänge vereinigen und fortan den Endanstieg miteinander teilen. Jetzt sehe und höre ich zum ersten Mal einige vereinzelte andere Wanderer.

Von jetzt an geht es steil nach oben, immer wieder muss ich auch die Hände zu Hilfe nehmen. Die Blockkletterei ist dabei technisch nicht wirklich anspruchsvoll, trockenes Wetter ist aber definitiv von Vorteil, Trittsicherheit meiner Meinung nach zwingende Voraussetzung! Kurz nachdem ich den Kleinen Kriváñ passiert habe, also nur noch 160 Höhenmeter vor mir liegen, erbarmt sich die dicke Wolkensuppe, reißt hier und da auf und lässt dabei einige Blicke in die Tiefe und die Ferne zu!

Was für ein Glück! Ich genieße die letzten Meter des Aufstiegs und komme bereits nach rund 3:20 Stunden Gehzeit ab Štrbské Pleso mit einem Riesengrinsen auf dem Gesicht auf dem Gipfel an. Hier stand ich schon als kleiner Junge! Komisch, wie sehr mich das anfasst, jetzt nach all den Jahren erneut wieder hier stehen zu können und kleine Erinnerungsfetzen mit neuen Eindrücken komplettieren zu können. Mittlerweile ist der Blick fast komplett frei, nur noch wenige Wolken ziehen in hohem Tempo die steilen Hänge hoch. Ich suche mir an der Ostseite des Gipfel einen ruhigen Platz und genieße den traumhaft schönen Blick hinunter zum Krivánske Zelené Pleso und den Nižné Terianske Pleso und hinüber zu all den Gipfeln, die für mich wahre Verheißungen für andere Wanderungen darstellen! Toll!

Beim Abstieg wird schnell deutlich, wie gut das Timing meines zeitigen Aufstiegs doch gewählt war. Mittlerweile sind sehr viele Menschen am Berg unterwegs. Kein Wunder, der Kriváñ gehört mit Sicherheit zu den populärsten Gipfeln des Gebirges! Kurzerhand entscheide ich mich gegen die geplante Abstiegsroute über den Partisanenbunker, weil mir das Treiben auf diesem Weg einfach eine Spur zu bunt wird. Ich gehe also auf dem deutlich weniger begangenen Weg hinunter, über den ich einige Stunden zuvor schon aufgestiegen bin.

Was für ein Glück, meinem ersten Gipfel erneut einen Besuch abgestattet haben zu können und dabei quasi während des ganzen Aufstiegs alleine mit dem Berg gewesen zu sein!

Gesamtstrecke: 20289 m
Maximale Höhe: 2457 m
Minimale Höhe: 1324 m
Gesamtanstieg: 1491 m
Gesamtabstieg: -1460 m
Gesamtzeit: 06:47:06

Disclaimer
Ich beschreibe auf meiner kleinen Website natürlich nur meine persönlichen Erlebnisse und Erfahrungen. In der Bergen seid Ihr selbstverständlich eigenverantwortlich unterwegs. Bitte nutzt vor Euren Touren die mannigfaltigen Informationsmöglichkeiten im Netz, die einschlägige Literatur (z.B. den Wanderführer „Hohe Tatra“ von Václav Klumpar, ISBN: 978-3-7633-4503-8) und/oder konsultiert die Informationsstellen vor Ort. Viel Spaß in den Bergen!

In der Abschlussbesprechung des diesjährigen XC-Seminars in Bassano hat mir Ferdi die Anregung gegeben, mich doch eventuell mal im Segment der High-B-Gleitschirme umzuschauen. Während des Seminars hatte ich die Nachteile meines Mid-B-Schirmes Advance Epsilon 9 im beschleunigten Flug gegen den Wind deutlich wahrnehmen können. Gegen all die höherklassigen Schirme der anderen Teilnehmerinnen konnte meine „Hummel“ nämlich nicht anstinken – sie ist in solchen Bedingungen halt einfach zu langsam, auch wenn sie ansonsten aus meiner Sicht maximal marginale Nachteile hat.

Also habe ich mir neulich beim Händler meines Vertrauens, Sepp von der Flugschule Hochries, einen Tester des High-B-Modells Advance Iota DLS organisiert, um einmal zu schauen, ob diese Schirmklasse für mich geeignet ist. Vor allem wollte ich ausprobieren, ob mich die höhere Dynamik des Schirms und das deutlich ausgeprägtere Kappenfeedback verunsichert oder gar nervt bzw. im besten Fall weiterbringt.

Starten und Landen waren gar keine Themen. Ich bin mit dem Iota DLS sofort klar gekommen. Auch beim Thermikfliegen habe ich mich unterm Iota DLS sofort wie zu Hause gefühlt und konnte viele andere Piloten ausdrehen. Der Schirm ist deutlich gesprächiger, wohlgemerkt auf der für mich angenehmen Seite. Es ist für mich also von Vorteil, dass der Schirm mir sehr viele Rückmeldungen über seinen aktuellen Zustand liefert. Ich hatte das Gefühl, im Vergleich zu meinem Eps deutlich feinfühliger steuern zu können und somit effizienter unterwegs sein zu können.

In turbulenten Bedingungen zappelt der Iota natürlich mehr als der Eps, aber auch das war ok für mich. Als es richtig schaukelig wurde, konnte ich den Schirm ebenfalls problemlos über mir halten. Allerdings fing in diesen Bedingungen dann bei mir das Kopfkino an, weil ich einen neuen Schirm normalerweise zuerst in einem Sicherheitstraining in Ausnahmezustände bringe, um ein Gefühl dafür zu bekommen, was er mit welcher Dynamik bei welchen Kappenstörungen so macht. Das wollte ich aber nicht alleine in der Luft ausprobieren.

Auch wenn ich wegen des bescheidenen Wetters nur wenige Testflüge mit dem Schirm machen konnte, habe ich doch einen guten Eindruck vom Flugverhalten bekommen: Ich weiß jetzt, dass zumindest der Iota DLS für mich absolut geeignet wäre und mich nicht überfordern würde. Ich sehe das auch als eien Bestätigung meines persönlichen Fortschritts über die Jahre. Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob mir die Leistungsunterschiede zu meinem Eps groß genug sind, um den aktuell recht happigen Preis für ein Schirmupgrade zu rechtfertigen… Mit anderen Worten: Wenn Geld keine Rolle spielen würde, hätte ich jetzt bereits einen Iota DLS. So werde ich wohl aber noch ein paar Ründchen des Es-mir-schön-rechnens drehen müssen…. 😉

Danke an Sepp für den Tester! 🙂

Die Wetterapps verheißen für Gleitschirmpiloten nix Gutes, und trotzdem wird es ein guter Tag! 🙂 Nanu? Wie geht das denn? Die Leser meiner kleinen Website kennen den Grund vermutlich schon – ich habe mal wieder die Wanderstiefel geschnürt und habe eine interessante Wanderung gemacht. 😀

Wegen des kürzlich gefallenen Neuschnees kann ich meine geplanten langen Touren in Richtung der hohen Dreitausender des Stubaitals leider nicht unternehmen und suche mir ein Stockwerk tiefer in der Nähe meiner Pension Ersatz. Gesucht ist ein Berg mit Aufstieg von der südlichen Seite – dort sollte der Schnee schon wieder geschmolzen sein! Ich entscheide mich für den Hohen Burgstall, einen Berg direkt über dem Ort Neustift im Stubaital, den ich zwar schon etliche Male bestiegen bin, heute aber im Expresstempo über einen für mich neuen Weg direkt von Neustift aus begehen will.

Also los! 🙂 Heute habe ich keine lange Anfahrt, sondern kann direkt von meiner Pension in Neustift aus losgehen. Ganz zu Beginn verläuft der Weg noch auf kleinen Straßen und Fahrwegen, schon sehr bald verschwindet er jedoch im Wald und führt kompromisslos steil den Berg hinauf. Ich freue mich über die Anstrengung und gebe Gas. 🙂 Die Ruhe beim Aufstieg ist wundervoll. Waldvögel begrüßen mich, hin und wieder zirpen Grillen im hohen Gras, und der zackige Wind pfeift durch die Lichtungen, die hin und wieder sehr schöne Blicke zu den gegenüber liegenden Hausbergen Elfer und Zwölfer freigeben, deren Gipfel aber noch teilweise in den Wolken stehen.

Nach rund 1000 Höhenmetern komme ich aus dem Wald heraus, quere einige Weiden, und gehe wenig später auf einem sehr schönen Bergweg mit Blick auf das erste Ziel meiner Tour – die Starkenburger Hütte. Direkt über der Hütte thront der Hohe Burgstall, ist jedoch noch in den Wolken versteckt. Die Hütte ist schnell erreicht, und ich gönne mir als einziger Gast einen Kaiserschmarrn, Kaffee und Almdudler (Nicht meckern, das war der erste Kaiserschmarrn in diesem Urlaub! 😀 Und nach dem sehr schnellen Aufstieg in reichlich der Hälfte der ausgeschriebenen Zeit war er sogar irgendwie verdient. 😉 ). Nach einem netten Schwätzchen mit dem Hüttenwirt übers Gleitschirmfliegen und die besch…eidene Föhnlage, die das Fliegen nachhaltig verhindert, nehme ich den Endaufstieg zum Hohen Burgstall in Angriff. Bislang habe ich keinen anderen Wanderer gesehen und habe den Berg und die wundervoll geheimnisvolle Stimmung ganz für mich: Mit jedem Höhenmeter schälen sich neue Details aus den Wolken. Bizarre Felsformationen, Schafe, die mich verwundert anschauen und mir zuzurufen scheinen: „Alter, was machst Du denn bei dem Wetter hier? Man sieht doch gar nix!“

Ich bin überglücklich und merke, wie sich mit jedem Schritt meine mentalen Akkus aufladen. 🙂 Die letzten hundert Höhenmeter sind teilweise seil- und trittversichert. Besonders im Nassen sind das sicherlich nützliche Hilfsmittel. Heute ist es jedoch größtenteils trocken. Kurz unter dem Gipfel sehe ich die tiefen sulzigen Schneefelder auf der Nordseite und bin sehr sehr froh, an diesem Tag nicht meine nördliche Standardroute auf den Berg genommen zu haben, sondern der südlichen schneefreien und trockenen Alternative gefolgt zu sein.

Am Gipfelkreuz empfängt mich ein ein schöner Mix aus ständig wechselnden Anteilen von dichter Wolkensuppe, aufgerissenen Bereichen, freien Blicken und allen Schattierungen dazwischen. 🙂 Spannend, kurzweilig und wunderschön! 🙂 Ich verweile kurz und gehe dann denselben Weg bis kurz vor der Hütte zurück. Dort biege ich dann aber in Richtung Kreuzjoch ab und verzichte auf den steilen Weg zurück ins Tal. Viel lieber verbringe ich noch ein wenig Zeit auf derselben Höhe und fahre später mit der Schlickseilbahn nach Fulpmes und nehme anschließend den Bus zurück nach Neustift. Der Weg zum Kreuzjoch ist recht einfach und hat nur wenige kleinere An- und Abstiege, bietet aber sehr schöne Ausblicke zurück zum Hohen Burgstall und hinüber auf die andere Talseite zu den ikonischen Bergen des vorderen Stubais, der Serles, der Kesselspitze, Kirchdach & Co.

Auf diesem Wegabschnitt hatte ich die lustigste Tierbegegnung meines kurzen Stubaiaufenthaltes: Als der Weg um eine Felsnase herumführt und ich um die Ecke schaue, steht da ein Murmeltier auf dem Weg und schaut mich einige Augenblicke verwundert an. Dann dreht es sich um und wackelt mit seinem niedlichen Murmeltierhintern auf dem Weg davon, um nach 20 Metern dann in freies Gelände abzubiegen – was für ein lustiger Anblick! 🙂 Etwas später kann ich noch weitere Murmeltiere beobachten (und diesmal auch fotografieren). 😉

Der letzte Wegabschnitt im Bereich der Schlicker Skipisten ist nicht wirklich spannend, ich werde allerdings mit einem atemberaubend schönen Blick hinüber zu den Kalkkögeln entschädigt. Dieses Massiv zu umrunden und zu überschreiten, steht ebenfalls auf meiner langen Liste… Vielleicht klappt’s im kommenden Jahr! 🙂

Die Kalkkögel – für mich besonders schön, wenn sie so wie hier ein wenig in den Wolken stehen. 🙂

Die Bahn bringt mich schnell ins Tal zurück, ich muss nur noch ins Zentrum von Fulpmes laufen, wo schon bald der Bus nach Neustift abfährt. Ein sehr schöner Tag! 🙂

Gesamtstrecke: 13439 m
Maximale Höhe: 2609 m
Minimale Höhe: 980 m
Gesamtanstieg: 1992 m
Gesamtabstieg: -864 m
Gesamtzeit: 05:39:11

Ich erzähle auf meiner Seite natürlich nur von meinen persönlichen Erlebnissen, Erfahrungen und Einschätzungen. In den Bergen seid Ihr eigenverantwortlich unterwegs. Informiert Euch bitte vor Euren Touren in der einschlägigen Literatur und/oder in den Informationszentralen vor Ort. Viel Spaß beim Wandern! 🙂

Pertisau – Seebergspitze (2085m) – Pasillsattel – Pletzachalm – Pertisau

„Strrrrrike, eine schwarze Route!“, schoss es mir durch den Kopf, als ich mir am Vortag die Karte angeschaut hatte. Die Seebergspitze ist einer der Hausberge von Pertisau am Achensee, und der Weg startet nur wenige Meter neben der Uferpromenade. Normalerweise wäre der Berg also ein typischer Kandidat für Massenaufstiege, die so gar nicht mein Geschmack sind. Die schwarze Kennzeichnung weist aber auf signifikante Schwierigkeiten hin, sodass bei den für meinen Wandertag angesagten 30 Grad hoffentlich viele Leute dem kühlen Achensee den Vorzug geben werden.

Die Seebergspitze über dem Achensee. 🙂

Da die Seebergspitze ein früher Berg ist, der schon am Morgen voll in der Sonne steht, bin ich erleichtert, dass sich der Weg zunächst zwar steil aber sehr angenehm im Schatten der Bäume den Hang hinauf schlängelt. Immer wieder eröffnen sich mir dabei wundervolle Blicke auf den Achensee, den Zwölfer, den Bärenkopf und den Rofan. Auf halber Höhe wird der Weg etwas flacher und die Vegetation wechselt. Eben noch Mischwald, nun haben Latschenkiefern die Oberhand. Die Sonne knallt mittlerweile ganz ordentlich. Mein Hut und eine leichte Brise sorgen aber für noch angenehme Temperaturen. Der Weg wird nun mit jedem Meter felsiger und schlängelt sich über mehrere kleine Kuppen dem Ziel entgegen. Besonders gefallen mir dabei die wenigen schmalen Gratstellen, an denen es rechts steil zum Achensee runtergeht und der Abgrund auf meiner linken Seite ebenfalls nur wenige Zentimeter entfernt ist. Hin und wieder muss ich an kleinen Kraxelstellen die Hände zu Hilfe nehmen. Der Weg ist aber nicht wirklich schwer, sondern hat die schwarze Einstufung vermutlich nur wegen der Steilheit und der wenigen etwas ausgesetzten Stellen.

Schon nach zwei Stunden Gehzeit stehe ich auf der Seebergspitze und genieße den wundervollen Ausblick! Im Norden winkt die Seekarspitze, die man auch von der Seebergspitze gut erreichen kann. Ganz weit unten strahlt und glitzert der Achensee, und der Rofan, Bärenkopf und Zwölfer grüßen ebenfalls. In westlicher Richtung hat man einen tollen Blick auf das Karwendelgebirge, das ich in Zukunft viel intensiver erkunden möchte.

Natürlich nutze ich die kleine Brotzeit am Gipfel auch für einen Check der gängigen Wetterapps – die morgendliche Windprognose hat sich bestätigt, kein Flugwetter! Ok, also haben wir heute alles richtig gemacht, das Gleitschirmzeug in der Pension stehen zu lassen. Ich bin noch dabei, per Signal die anderen verhinderten Gleitschirmflieger zu grüßen, die sich heute für eine Talwanderung entschieden hatten, als meine persönliche Hauptattraktion des Tages „die Bühne betritt“: Ein Pärchen Alpendohlen soart am Gipfelkreuz wie in Zeitlupe im straffen Wind. Was für Flugkünstler! Die beiden spielen mit dem Wind, winzige Korrekturen der Schwanzfedern und Flügel sorgen für atemberaubende Flugmanöver! Und während ich der einen Dohle noch beim Fliegen zuschaue, gesellt sich die andere mit kleinen Hüpfern zu mir und lässt sich von mir füttern, nur 5 cm von meiner Hand entfernt. Ein Haps des Müsliriegels für mich, der andere gehört meiner neuen Freundin… Hach, was für ein glücklicher Moment!! 🙂

Es ist Zeit aufzubrechen: Von nun an geht es in westlicher Richtung bergab zum Pasillsattel und von da über die Pletzachalm nach Pertisau. Die ersten Wegmeter sind wundervoll: links und rechts geht es steil hinunter! Später wird der Weg ein wenig mühsam, es ist aber alles im grünen Bereich. Am Pasillsattel folge ich dem Wegweiser nach Süden und laufe nun in langen Serpentinen den Berg hinunter ins Tal. Zu Beginn ohne Schatten, weiter unten verläuft der Weg zumindest teilweise im Wald. Die Alm lasse ich rechts liegen und bin sehr erfreut, dass ich die letzten Kilometer nicht auf der Straße, sondern etwas erhöht auf einem Waldweg absolvieren kann.

Was für ein schöner Tag! Ich bin froh, die Runde in dieser Richtung gegangen zu sein! Alles richtig gemacht also! 🙂

Wie immer gilt auch hier mein Standard-Diclaimer: Ich gebe in meinen kleinen Artikeln nur meine persönlichen Erfahrungen wieder. In den Bergen seid Ihr nat. eigenverantwortlich unterwegs und solltet Euch vor einer Tour ausführlich informieren.

Gesamtstrecke: 15010 m
Maximale Höhe: 2070 m
Minimale Höhe: 931 m
Gesamtanstieg: 1266 m
Gesamtabstieg: -1262 m
Gesamtzeit: 05:18:20

Maurach – Weißenbachalm – Ochsenspitze – Gamskarspitze – Kaserjoch – Falzthurntal – Pertisau -Maurach

Es zieht sich fast schon wie ein Mantra durch die Wanderrubrik meiner Website: Wieder einmal musste ich aufs Fliegen verzichten. Der Südwind war einfach zu stark und zu turbulent. Sich an einem solchen Tag unter einen Gleitschirm zu hängen, wäre keine gute Idee gewesen. In einem Gleitschirmurlaub ist dies auf der einen Seite meganervig, andererseits konnte ich dadurch endlich einmal ausführlicher das wundervolle Karwendelgebirge im Norden der Alpen erkunden.

Und so machte ich mich mit zwei anderen verhinderten Gleitschirmpilotinnen von Maurach aus auf den Weg hinauf zur Weißenbachalm, die kurioserweise fest in sächsischer Hand ist: Die Besitzerin kommt aus Bad Schandau, dem kleinen Kurörtchen in der Sächsischen Schweiz, die Kellnerin hat ihre Wurzeln ebenfalls in der Nähe von Dresden und trägt ihre Herkunft sozusagen auf der Zunge… Wir machen unsere Witze über den sächsischen Einfluss in den Nordalpen (Dresdner Hütte im Stubai, die Weißenbachalm am Achensee), essen eine Kleinigkeit und beobachten dabei die seelig grasenden Kühe auf der Alm.

Meine Wanderbegleitung hat an diesem Tag keine Lust auf weitere Höhenmeter, sodass ich von nun ab alleine unterwegs bin. Oberhalb der Alm erreiche ich bereits nach wenigen Gehminuten den Weißenbachsattel (1668m). Die meisten Wanderer folgen von hier dem Weg zum Bärenkopf, dem ikonischen Berg am Südende des Achensees. Ich kenne den Aufstieg schon von einer früheren Wanderung und entscheide mich für eine südliche Route, die mich über das Stanzer Joch, einen viel versprechenden Kammweg, dem Kaserjoch und über das Falzthurntal im großen Bogen wieder zurück nach Maurach führt. Alles Neuland für mich – fantastisch!

Also los: Das Stanzer Joch liegt auf etwas über 2100 Höhenmetern und ist schnell erreicht. Wenige Meter neben dem Joch klettere ich weglos auf einen kleinen Aussichtsfelsen, der mir einen wundervollen Panoramablick in Richtung Weißenbachtal einerseits und Achensee, Seeebergspitze & Co. andererseits ermöglicht. Auf dem Joch treffe ich an diesem Tag zum letzten Mal andere Wanderer. Die nächsten Stunden bin ich komplett allein unterwegs – was für ein Glück! 🙂

Vom Joch aus folge ich dem „Stanzer Joch Kamm“, der in westlicher Richtung auf der Südseite des Grates verläuft. Der Ochsenkopf (2148m), die Gamskarspitze (2098m) und die Kaserjochspitze (2198m) liegen dabei jeweils neben dem Weg, können problemlos bestiegen werden und locken mit wundervollen Ausblicken, tiefen Abgründen und immer wieder neuen Perspektiven: In südlicher Richtung präsentieren die 3000er des Alpenhauptkamms ihre schneebedeckten Gipfel, in Verlängerung des Kammwegs nach Westen eröffnen sich sehr schöne Blicke ins weitere Karwendel und in Richtung Norden und Nordosten ist immer wieder der wundervoll türkisblau leuchtende Achensee und die direkt angrenzenden Gipfel zu sehen.

Das Kaserjoch ist mein westlichstes Ziel an diesem Tag. Die direkt neben dem Joch stehende Rappenspitze ist ebenfalls ein überaus viel versprechendes Ziel, kann jedoch ausschließlich über einen in einem großen Bogen verlaufenden Weg begangen werden – zu viel für mich an diesem Tag, ich habe schließlich noch einen weiten Weg vor mir.

Ich steige in Richtung Norden vom Joch hinunter. Der Weg führt über Geröllfelder, saftige Wiesen voller Wiesenblumen und tanzenden Schmetterlingen vorbei an kleinen Schmelzwasserseen. Es geht über kleine sulzige Schneefelder und schließlich steil hinunter, einen kleinen Gegenanstieg hinauf, vorbei an einer unbewirtschafteten Hütte und schließlich über unzählige enge Serpentinen steil hinab ins Falzthurntal.

In der Jausenstation Falzturn möchte ich eigentlich einen Kaffee trinken, werde aber beharrlich vom Kellner ignoriert und gehe schließlich ohne Stärkung weiter. Das macht aber nix – nach all den Eindrücken an diesem wundervollen Tag kann mich nichts erschüttern! 🙂 Der Talweg führt zunächst die Straße entlang, teilt sich aber bereits nach ca. 2 km auf. Wanderer und Radfahrer können der direkten Forststraße folgen, die Autos sind dabei außen vor – sehr schön!

Nach wenigen Kilometern erreiche ich den Touriort Pertisau, laufe an der Zwölferbahn und der Flugschule vorbei, passiere die Gleitschirmlandeplätze und folge schließlich der Uferpromenade des Achensees die letzten 5 Kilometer nach Maurach. Jetzt habe ich Zeit, den Tag Revue passieren zu lassen: Das Karwendelgebirge ist ein wundervolles Wandergebiet, das ich in Zukunft intensiver erkunden möchte. Ich hatte einen sehr schönen Tag voller schönster Naturerlebnisse und kann die Tour jedem empfehlen, der schwindelfrei, trittsicher und (wegen des steilen Abstiegs ins Falzthurntal) gesunde Knie und eine ausreichende Kondition hat.

Ich gebe in meinen Artikeln natürlich nur meine persönlichen Erfahrungen und Erlebnisse wieder. In den Bergen seid Ihr eigenverantwortlich unterwegs. Bitte informiert Euch vor Euren Touren in der einschlägigen Literatur und/oder in den Informationszentren vor Ort. Viel Spaß!

Gesamtstrecke: 27717 m
Maximale Höhe: 2137 m
Minimale Höhe: 931 m
Gesamtanstieg: 1755 m
Gesamtabstieg: -1756 m
Gesamtzeit: 08:17:51

Streckenfliegen fetzt! 🙂 Was für ein erfüllendes Hobby Gleitschirmfliegen doch ist!

Nachdem mich eine Erkältung die fliegbaren Brückentage rund um den 1. Mai und Christi Himmelfahrt im Bett verbringen ließ und ich dazu verdammt war, den anderen via Live Tracking beim Fliegen zuzuschauen, war der Frust gewaltig! Mmpf, da hatte meine Gleitschirmsaison mit dem fantastischen Streckenflugseminar mit Ferdi in Bassano so toll angefangen, und nun das…

Umso glücklicher war ich, als Windy & Co. für den Pfingstmontag gutes Flugwetter voraussagten. Und so bin ich zeitig aufgestanden, habe mich mal wieder in den Zug gesetzt und stand pünktlich um 11 Uhr an der Winde in Beilrode. 🙂 Beim ersten Schlepp fand ich keine durchziehende Thermik und hatte bereits nach 10 Flugminuten wieder festen Boden unter den Füßen. Aber das war kein Problem, der Tag sollte „hintenraus“ besser werden, es war sogar eine Tendenz zu Überentwicklungen vorhergesagt. Davon war zu diesem Zeitpunkt aber weit und breit noch nix zu sehen. Überall standen schöne Thermikwolken am Himmel, und der Wind war auch nicht zu stark. Also stand ich alsbald wieder am Schleppseil und folgte dem Protokolls für Windenstarts, während der Startleiter meine Ansagen via Funk an den Windenführer weitergab:

  • „Pilot und Gerät startklar.“ (Der Schirm liegt sauber ausgelegt hinter mir, alles ist kontrolliert, ich bin eingehängt und mit dem Seil verbunden.)
  • „Pilot eingehängt.“ (Alles nochmal kontrolliert.)
  • „Seil anziehen.“ (Das Seil wird langsam angezogen, sodass es unter Spannung kommt.)
  • „Seil straff.“ (Das Seil ist straff.)
  • „Fertig.“ (Luftraum frei? Wind ok? Daraufhin wird das Seil weiter angezogen, ich ziehe den Schirm auf, kontrolliere die Kappe.)
  • „Staaaaaaarrrrrrrt.“ (Wenn mit dem aufgezogenen Schirm alles stimmt. Der Windenführer gibt nun Gas und man hebt ab.)

Zack, schon ging es los! 🙂 Direkt nach dem Ausklinken hatte ich den Eindruck, dass man Schirm nach rechts zog. Sehr gut, da musste also eine Thermik stehen! Ich folgte der leichten Tendenz und hatte nach wenigen Sekunden einen Aufwind mit recht starkem Windversatz, der mich langsam aber stetig auf rund 1000m brachte. Währenddessen gesellte sich der Streckenflug-Crack Toralf Hase zu mir, bog aber kurz darauf in Richtung Torgau ab. Ich hatte mir für den Tag aber etwas anderes vorgenommen: Ich wollte zum ersten Mal (halbwegs) planvoll losfliegen, den Bahngleisen folgen und somit in der Luft meine Bahnfahrt nach Hause abkürzen.